24.12.2011

Have Yourself a Merry Little Chrismas

"Have Yourself a Merry Little Chrismas", flüsterte M. als er auf die hellerleuchtete Stadt herabblickte. Ein eiskalter Nachtwind blies ihm ins Gesicht. Vielleicht hätte er nicht auf den alten Turm steigen sollen. Aber daheim am Computer oder vor dem Fernseher vermodern wollte er dieses Jahr nicht. Dabei hätte es nicht so kommen müssen. Seine Schwester hatte ihn zu einer kleinen Familienfeier eingeladen. Doch M. hatte abgelehnt. Er wusste nicht, was ihn dazu getrieben hat. Die Kochkünste seiner Schwester waren es sicherlich nicht gewesen. Vielleicht die Kinder. Aber da er nahe einer Autobahn lebte, war er einen gewissen Lärmpegel gewohnt. 

Nein, es hatte einen anderen Grund. M. war  ein sehr einsamer Mensch, was er zwar imme wieder läugnen würde, aber im Grunde genau wusste. Er hatte niemanden, dem er sich anvertrauen konnte, niemanden dem er Gefühle offen und ehrlich zeigte. Über Jahre hinweg hatte er sich isoliert, ähnlich einem Mönch, der sein Lebenlang alleine in einem Kämmerchen auf Erleuchtung wartete. Nur besaß M. im gegensatz zu dem Mönch keinen Glauben, sondern nur die billige, oberflächige Unterhaltsungs- und Verdummungsmaschinerie einer von Konsum geprägten Welt - also nichts, wofür es sich zu leben lohnte. Dazu benötigte es erst einen Menschen. Es müsste dabei nicht mal eine wunderschöne Frau mit einem bezaubernden Lächeln sein. Ein einfacher Freund hätte es schon getan. Aber in einer schnelllebigen Welt werden solche Menschen rar. 

M. kam folglich nicht zur kleinen Familienfeier, weil es ihm sonst ähnlich ergangen wäre wie einem afrikanischern Hirtenjunge, der New York besuche. Es käme einem Kulturschock gleich. An dem einem Tag verlor M. sich noch in seiner trostlosen, kargen Wohnung und am nächsten Tag fände er sich in einem warmen, belebten Raum wieder als Teil einer Gemeinschaft. Das hätte sein Herz sicherlich nicht ausgehalten. Es wäre am selben Abend noch voller Sehnsucht zerbrochen.

Um dieser Tragödie und gleichzeitig der tiefgreifenden Erkenntnis seiner Einsamkeit aus dem Weg zu gehen, hatte er sich deshalb in seiner trostlosen, kleinen Welt weiter verbarikadiert. Aber zu seinem Leid, konnten stärker als Illusionen sein. Denn sie trieben ihn schließlich raus - auf jenem Turm, wo er nun mit einer billigen Flasche Rotwein stand und zur Stadt hinabblickte. 

In seinen Gedanken sang Chris Martin mit einer warmen, gefühlvollen Stimme....



In diesem Sinne: Fröhlich und besinnliche Feiertage an alle meine fleisigen Leserinnen und Leser. Ich hoffe ihr seid bei den Menschen, die ihr liebt. 
Und nebenbei: Danke, dass es euch gibt :)

22.12.2011

Postdemokratische Verhältnisse?

Ein kleine Überlegung:

Postdemokratische Verhältnisse erscheinen erreicht, wenn...

a) ...die Medien durch beliebig erzeugte Empörungswellen die politische Meinungsbildung behindern und stattdessen einen emotional aufgeladenen Mob beschwören.

b) ...Politiker aufgrund persönlichen Fehlverhalten ihren Kopf "verlieren", aber ihre politischen Fehler unbehelligt bleiben.

c) ...die Demokratie sich allmählich zu einer Oligarchie verwandelt, während das Volk betäubt zuschaut.

d) ...paradoxe politische Entscheidungen nur in einem zeitlich begrenzten Kontex betrachtet werden.

e) ...Sündenböcke statt Schuldige in Verantwortung gezogen werden.

f) ...breite Teile der Bevölkerung sozial kälter werden und immer mehr verrohen.

g) ...sich Demonstrationen, Unruhen und Aufstände mehren.

h) ...Politik die Grenzen des Verständlichen verlassen hat und irgendwo in der Ideoligie herumschwirrt.


Nähere Erläuterung und weiterführende Links:
a) "Durch mediale Empörung werden – wenn’s hoch kommt – einige Figuren ersetzt, mehr ändert sich nicht. Was sich jedoch ändert, sind Intensität und Umsatzmenge der Empörung – bei weitgehend fehlender Gewichtung der Fälle. (...) Es kommt nur darauf an, wessen „Abschuss“ gerade ins politische und geschäftliche Kalkül passt. Insofern haben die Empörungswellen etwas Beliebiges – und in ihrer Dimension Unberechenbares. (...) Man könnte deshalb von einer Dauerempörung sprechen, die letztlich nicht den Verstand schärft, sondern den Mob erzeugt." (aus: http://www.wolfgangmichal.de/?p=1450)

b) "Man kann die Rücktritte der letzten Jahre durchgehen: Otto Graf Lambsdorff musste als Bundeswirtschaftsminister wegen der Flick-Spenden-Affäre gehen; Max Streibl musste wegen einer Amigo-Geschichte als bayerischer Ministerpräsident zurücktreten; Bundesverkehrsminister Günther Krause (...) wurde zum Verhängnis, dass seine Frau ein Putzhilfe teilweise aus Fördermittel des Arbeitsamtes bezahlte; der bayerische Justizminister Alfred Sauter fiel, weil er zum Sündenbock einer Wohnungsbauaffäre erklärt wurde; der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel war nicht mehr zu halten, weil er ein falsches Ehrenwort gab. Der vormalige Bundespräsident Johannes Rau, wurde wegen einer angeblichen Flugaffäre gejagt (...). Die allermeisten Rücktritte von Politikern in der Nachkriegszeit, wenn sie nicht aus eigener Entscheidung ihren Platz räumten, wurden wegen persönlichen Verfehlungen erzwungen." (aus: http://www.nachdenkseiten.de/?p=11660)

c) Anzuführen wären hierbei das stark zugenommene Ohnmachtsgefühl der Menschen gegenüber der Politik, die immer stärker zurückgehende Wählerbeteiligung, Lobbyismus und die viel gelobten "Technokraten". Weitere Interessante Denkanstöße finden sich hier.

d) Ein schönes Beispiel sind die Schuldenbremse und die geplanten Steuersenkungen für 2013/14, wobei die die Steuersenkungen die Einhaltung der Schuldenbremse natürlich erschweren werden. Die wesentliche Krux an den Steuersenkungen sind hier näher beleuchtet.

e) In der Schuldenkrise heißt es, der Staat habe über seine Verhältnisse gelebt. Der Sozialstaat könnte man sich nicht leisten. "Doch drei Viertel der Schulden haben andere Ursachen - zum Beispiel die deutsche Einheit"

f) Anzuführen wäre hierbei die Langzeit Studie "Deutsche Zustände" unter Leitung des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer (http://www.heise.de/tp/artikel/33/33857/1.html) oder der wieder aufflammende Hass gegen Sinti und Roma 

g)  M15, Londoner Riots, oder die Occupy-Bewegung

h) "(...) man habe sich ja schließlich in der sogenannten Lissabon-Strategie darauf geeinigt, die Wettbewerbsfähigkeit ganz Europas zu verbessern. (...) Es ist aber ganz fundamental falsch, weil Wettbewerbsfähigkeit immer ein relatives Konzept ist. Man kann seine Wettbewerbsfähigkeit immer nur zu Lasten eines anderen verbessern." (aus: "Wer im Glashaus sitzt")
Weitere interessante Gedanken: http://www.nachdenkseiten.de/?p=11550


Anmerkung:
Natürlich kann man die oben angeführte Liste weiter ergänzen, wie z.B. mit dem Anstieg von politischen, radikalisierten Bewegungen oder die enorme Lücke zwischen Arm und Reich. Wer daher von diesen Überlegungen noch nicht genug hat, kann noch z.B. Europa 2011 mit Deutschland 1931 vergleichen. Außerdem lohnt es sich regelmäßig nachdenkseiten zu lesen und - besonders wichtig - die Geschehen detailiert zu beobachten, dazu Überlegungen anzustellen und mit Vorangegangenen zu verbinden. 

16.12.2011

Hassrede gegen einen Hassprediger

Die folgende Hassrede (oder besser: Moralpredigt) wurde zwar für den Lateinunterricht Klasse 12 geschrieben, aber ist im eigentlichen Sinne vor einem Hassprediger und dessen Zuhörer bzw. Anhänger zu halten.

Hass, werter Hassprediger, Hass ist das, was ich an Ihnen hasse.
Verstehen sie mich jetzt bitte nicht falsch: Unter normalen Umständen bin ich ein toleranter Typ. Die pluralistische Gesellschaft ist mir hoch und heilig und eigentlich - ja eigentlich habe ich nichts gegen Sie direkt. Nur gegen Ihren Hass - der in Ihnen brodelt und gärt, der mit jedem Wort, mit jeder Handlung und aus jeder einzelnen Pore Ihres Körpers heraus zu schreien scheint - und wenn es nur Sie alleine mit Ihrem Hass wären, dann stände ich auch nicht hier. Dann würde ich nicht diese Rede halten. Stattdessen regt sich die ganze Welt auf und ich reg' mich über die Welt auf, weil ich es nicht verstehe.
Sie brauchen doch nur einen Blick in die Nachrichten zu werfen: Da haben wir die Palästinafrage, im Sommer Breivik, die Londoner Riots, den Kosovo-Konflikt im Herbst. Vor kurzem auch noch die Probleme mit dem Iran und der erneute aufflammende Hass gegen Sinti und Roma.

Stimmen Sie mir da nicht zu? In unserer heutigen Zeit wächst Hass, Zorn und Missgunst wieder zu einer neuen Höchstform an, nicht nur zwischen Ihnen und mir, sondern sogar zwischen ganzen Völkern. Dazu benötigen wir nicht einmal eine zehnjährige Studie, die beweist, dass die deutsche Mittelschicht immer weiter verroht und sozial erkaltet. Das ist eine sehr gefährliche Entwicklung. Denn wenn sich daran nicht bald etwas ändert, wird früher oder später Europa oder gar die ganze Welt auf einem Pulverfass sitzen - und dann Gnade uns Gott, dass nicht irgendein dahergelaufener Hassprediger einen Funken Zorn entzündet und damit eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes entfesselt.

Lassen Sie es mich erklären:

Das schlechte an purem Hass ist, dass er sich vermehrt. Na gut, dass hatte man auch vom Kommunismus gedacht. Aber Hass ist kein politisches System. Hass ist ein Gefühl und wie viele Gefühle lässt er nicht klar denken. Dabei muss man klar denken können, um zu diskutieren. Denn ausschließlich Diskussionen führen zu einer Lösung von Konflikten und letztendlich zum Fortschritt. Der Frieden von Versailles 1919 z.B. lag keiner rationalen Diskussion zu Grunde, sondern war, übertrieben gesagt, davon geprägt einen Sündenbock zu finden, auf dem man alles Entsetzen und allen Hass zentrieren konnte. In dem Fall Deutschland.
Apropos Sündenbock: Es ist ein markantes Merkmal ganzer Gesellschaftsgruppen, ihren Zorn auf einen einzelnen oder wenige einzelnen zentriert. Dabei wird die oftmals komplexe Wahrheit derart vereinfacht, dass das Resultat jeglicher Realität spottet.
Ein gutes, aktuelles Beispiel ist die Finanzkrise, die dank guter PR-Arbeit nicht mehr so heißt, sondern Schuldenkrise genannt wird. Man sagt allgemein, die Staaten haben über Verhältnisse gelebt. Der Sozialstaat sei für die hohen Schulden am meisten verantwortlich. Na gut, irgendwo stimmt das auch. Aber betrachten wir allein Irland: Im Jahr 2007 hatte es eine Verschuldung von knapp 25% des BIP. 2011 sind es 100%. Jetzt frage ich mich, was zur Hölle Irland in den letzten 4 Jahren getrieben hat. Wie viele Milliarden Euro haben die denn verschleudert? Und wohin? Bei den Banken natürlich.

Aber lassen wir das jetzt. Sonst reg ich mich zu sehr auf und das will ich nicht. Lieber will ich mich über Sie aufregen. Also zurück zum eigentlichen Thema: Zu Ihnen und Ihren Hass.
Wir haben bisher gesagt, dass Hass das Denken beeinträchtigt, er zu nichts progressiven führt und dass er sich vermehrt. Jetzt ist die Frage: Wie vermehrt er sich? Ja wie vermehrt sich Hass? Ganz einfach: Durch Hass. Hass bedingt Hass. Wir beiden wären da ein sehr gutes Beispiel, Hassprediger. Sie liefern tagtäglich Unmengen an Hasstiraden und bringen mich dadurch zur Weißglut. Nicht auszudenken, wie derjenige reagieren wird, auf den Ihre Reden gerichtet sind!
Verstehen Sie doch: Es ist ein ganz einfaches Prinzip. Sobald Sie jemandem Ihre Verachtung zeigen, sei es verbal oder über Gestik und Mimik, wird derjenige alsbald selbiges für Sie empfinden und es natürlich auch zu besten geben. Sie fühlen sich dadurch in Ihrer Haltung bestätigt und zeigen noch mehr Verachtung, was natürlich zu einer versteiften Haltung des anderen führt, und so weiter...
Es ist wie ein Teufelskreis, der einzig durch ein ruhiges vernünftiges Wesen oder wie so oft durch eine Katastrophe beendet werden kann.

Es gibt jedoch noch eine weitere Art, wie sich Hass vermehren kann: Nämlich durch Sie. Durch Hassprediger, die mit gezielten Worten versuchen unschuldige, unwissende und gut gesinnte Menschen mit ihrer blinden Raserei anzustecken. Nicht weniger, aber so viel mehr. Denn Sie verfolgen doch mit jeder Aussage, mit jedem Satz und mit jedem Wort ein bestimmtes Ziel. Sie wollen doch in der Bevölkerung Druck aufbauen und Sie wollen doch so viel Hass entfachen, dass er in einem Aufstand mündet, in Terrorismus, in Verfolgungen, Morden oder gar in einem Krieg. (Wann werden Sie denn die Taten von Ihren Anhängern verlangen, die Sie zwar erträumen, aber viel zu feige sind, als dass Sie sie ausführen könnten?)

Nun gut, sie könnten jetzt versuchen zu erklären, dass Ihr Wut, Ihr Hass und Ihre Sehnsucht nach Vergeltung berechtigt sei. Sie könnten argumentieren, dass sie in Ihrem Leben durch und durch ungerecht behandelt wurden, dass sie nicht respektiert wurden oder dass Ihr Volk sogar unterdrückt und gedemütigt wurde.
Ach, wissen Sie, Hassprediger: Sie haben recht. Sie haben ein Recht darauf, wütend zu sein. Die Welt war sicherlich ungerecht zu Ihnen. Egal wie: Ob der Nachbar Sie schikanierte, oder ob Sie als Kind gehänselt wurden. Ob die Gesellschaft Sie verstoßen hat oder ein ganzer Staat Ihr Leben zerstörte - auf welche Weise auch immer. Sie haben Recht. Sie haben ein Recht darauf, Wut zu empfinden . Aber zügeln Sie Ihren Hass!

Ihre Einstellung erinnert mich an den Ausspruch der Clair Zachanassian aus Dürrenmatts Drama 'Der Besuch der alten Dame': „Die Welt machte mich zu einer Hure, nun mache ich die Welt zu einem Bordell.“ 
Doch das ist der falsche Ansatz! Auge um Auge macht blind, wie es Gandhi formulierte. Hass erzeugt nur Gegenhass, wie wir es gesagt haben. Eine Teufelskreis, der nur mit der vollkommenen Vernichtung enden kann! Dabei könnten Ihre ganze wertvolle Energie für ganz andere Dinge verwenden, als nur für Ihren unsäglichen Hass. Sie könnten aus Ihrer Vergangenheit lernen. Prangern Sie doch die Ungerechtigkeit öffentlich an. Fordern Sie einen Ausgleich, der nichts mit Gewalt, Tod und Vernichtung zu tun hat. Sie könnten sogar heutige Ungerechtigkeiten bekämpfen.
Überlegen Sie, was Sie alles erreichen könnten! Oder erscheint es Ihnen etwa unmöglich? Dann denken Sie an Toyotas Werbeslogan: Nichts ist unmöglich! - Denken Sie an die Neutrinos, die sich trotz Albert Einsteins mehrfach beweisende Theorie schneller als das Licht bewegen – und Albert Einstein gilt als ein Gott der Modernen Physik.
Und jetzt mal ernsthaft: Wenn Sie etwas in dieser Gesellschaft verbessern wollen, braucht es dazu Willen, Glauben und Energie. Einen Hauch von American Dream, wie es manche formulieren. Ich verweise da nur auf Gandhi, Martin Luther King oder Nelson Mandela.

Aber was mache ich mir eigentlich vor? Sie hören mir doch eh nicht zu! Dafür sind ihre Ohren schon zu taub vom inbrünstigen Brüllen des Hasses. (Jetzt an die Zuhörer gerichtet) Stattdessen hat er sich schon längst von uns und der Welt abgeschottet. Er hat sich eine eigene Parallelwelt gebaut, errichtet auf Säulen des Hasses, des Zornes und der Verbitterung. Eine Parallelwelt, die verlassen von Liebe und Verständnis in Finsternis vermodert. Von Verblendung verfärbte Ideologie und von Hass geschürte Intoleranz sind ihre Grenzen, hinter denen jeder Mensch ein Irrender, ein Feind, ein Verdammter ist. Und aus dieser Welt heraus predigt er und von dort aus steckt er die Menschen mit seinem verbitterten Zorn an, indem er immer wieder und wieder schreien: „Vernichtung dem Staat! Vernichtung der Welt! Denn Sie ist böse und schlecht.“
Aber ist sie das? Ist sie wirklich so böse und schlecht? Nein, dass ist sie nicht. Denn: Sie ist nur so böse, wie wir es zulassen! Das Gut steckt in uns, ebenso in mir, als auch in Ihnen, Hassprediger. Bei Ihnen ist es nur begraben unter einem mistigen Schutthaufen aus Hass und Verblendung. Es liegt also bei uns, ob wir das Gute aus uns hervor graben oder die Welt mit weiteren Hassreden verschmutzen. Denn diese, sowie Ihre mit Hass beladenen Worte sind das eigentlich Schlechte an der Welt.

Nun, gut. Bevor ich jetzt noch weiter an Ihrer Intoleranz verzweifle, komme ich lieber zum Ende. Ich spüre nämlich schon, wie es in mir zu kochen und zu brodeln beginnt, und ich befürchte, dass diese Rede noch zu dem ausartet, was ich so an Ihnen verachte. Das möchte ich nicht. Denn Hass, werter Hassprediger – und das sollten nicht nur Sie sich, sondern wir alle uns merken - Hass schadet nicht nur der Gesellschaft, sondern auch Herz, Seele und Verstand.

13.12.2011

Vom Ende einer Liebe

Ein karges, schüchternes und kaum verständliches "Hi."
Kein weiteres Wort traute sich über unsere Lippen. Ansonsten geschah nichts mehr zwischen uns. Selbst unsere Blicke wichen sich aus. Dann sind wir schon aneinader vorbei gezogen, rochen nicht mal den Duft des anderen, sondern drifteten einfach mit der Masse voneinander weg. Niemand von uns traute sich zurückzuschauen. Es war das traurige Ende einer Liebe, die sich nie entfalten durfte.

09.12.2011

Mehr denken, weiter denken, anders denken

Mehr denken, weiter denken, anders denken.
Reaktanz zeigen.
Mit Gedanken spielen, kombinieren, was nicht kombinierbar ist,
trennen, was bisher als untrennbar galt.
Grenzen des Geistes überschreiten.
Lernen.
Immer wieder Neues lernen und erfahren.
Fragen und Wundern.
Kritisch werden.

Aber vor allem, mehr denken, als bisher getan, weiter denken, über den eigenen Horizont hinaus und anders denken, denn nicht alles ist gleich mit Logik zu erschließen.

21.11.2011

Vom Nutzlosen

Wenn man etwas als nutzlos bezeichnet, sollte man erst einmal schauen, aus welchem Blickwinkel man den Gegenstand oder die Handeln betrachtet. Denn vieles erscheint einem selbst als nutzlos, was andere für Lebensnotwendig erachten. 
Aber wenn man etwas als sinnlos abstempelt, dann sollte man weiterführend daran denken, dass für jene Sache Zeit in anspruch genommen wurde. Ist Zeit also nutzlos verplempert worden? Nicht unbedingt, denn ansonsten hätte ich diese Worte hier nicht geschrieben. Und, dass bedeutenden Prozesse zum Teil lange und irreführende Wege zurücklegen, erkennt man nicht nur in der Evolution. Man nennt so etwas auch Zufall oder Leben.

08.11.2011

Was wäre wenn

Was wär' wenn,
wenn du und ich,
wir zwei alleine,
im Mondesschein spazieren gehen,
und wir still - 
ja still und heimlich,
die Hand des and'ren zaghaft halten?


03.11.2011

Assi-TV

Um ehrlich zu sein, schaue ich seit längerem kaum noch fern. Ab und zu, wenn ich zu Mittag esse oder wenn ausnahmsweise mal ein guter Film läuft. Dann schalte ich noch einmal in der Woche den Röhrenbildschirm wegen einer Serie an. Ansonsten kann mir das Ding gestohlen bleiben. Der Fernseher ist letztendlich nutzloser als mein Fahrrad, welches seit Wochen alleine im dunklen Keller verrostet.
Dieser geringen Anteilnahme an dem hochgelobten deutschen Fernsehprogramm habe ich zu verdanken, dass ich keinen blassen Schimmer hatte, was der Begriffv "Assi-TV" bedeutet, als ich ihn zum ersten Mal gelesen habe. Zum Glück saß ich zu diesem Zeitpunkt am heimischen PC und da lag es nicht fern, mal eben kurz Wikipedia aufzurufen und ein wenig nachzuforschen. Doch zu meiner Überraschung weiß Wikipedia doch nicht alles (oder ich bin einfach nur zu dumm zum Suchen). Es gab jedenfalls noch keinen Eintrag zu diesem Thema. Also wisch ich auf Google aus und gelangte schließlich auf diesen Blog, dessen Autor im Übrigen eine ähnliche Definition verwendet wie in den, von mir zuvor besuchten, Foren. 

"Assi-TV" ist keine Fernsehsendung, wie ich zunächst annahm (ich dachte nämlich erst an "New Kids" oder anderen niveaulosen Komedie Sendungen zur Unterhaltung der heutigen abgestumpften Jugend). Es beschreibt hingegen die Vielzahl an schechten Sendungen im Vor- und Nachmittagsprogramm der deutschen Fernsehsendern, hauptsächlich die von RTL. 

Vom Sendeformat mal ganz abgesehen, lässt sich aus diesem Begriff einige interessante Rückschlüsse  auf unsere Gesellschaft ziehen. Zum einem ist da dieser Anspruch an Unterhaltung, der scheinbar mit jeder neuen Staffel von DSDS immer weiter und weiter sinkt. Aber darauf will ich eigentlich nicht hinaus, zumal die Erörterung dieser Behauptung die Dimensionen dieses Blogeintrages sprengen würde. 
Es ist der Begriff selbst, sein Bezug und seine Herleitung, mit dem einem Rückschlüsse auf die heutige Gesellschaft gelingen. Mit "Assi" könnte zunächst das Programm selbst gemeint sein. Dummerweise darf man nicht die schauspielerische Leistung als asozial bezeichnen. Auch einen Anwendung des Adjektives auf den Inhalt der jeweiligen Sendung sollte man tunlichst vermeiden, da diese ja die Realität vorgaukeln sollen.
Tatsächlch leitet sich das "Assi" von der Zielgruppe jener Sendungen ab. Aber wer soll das sein? Etwa Leute, die aufgrund ihres Verhaltens oder Lebensweise nicht Teil der Gesellschaft sind? Aber warum haben sie dann einen so wesentlichen Anteil am Fernsehprogramm? Außerdem fallen mir zunächst nur Schwerstverbrecher und Obdachlose als Asoziale einö Doch die beiden Gruppen besitzen keinen Fernseher. Wie sollen sie denn solche Sendungen sehen?

Nein, zur Zielgruppe gehören die Menschen, die aufgrund von Arbeitslosigkeit zu Hause verweilen müssen und von denen die meisten sogar noch einen niedrigen Bildungsstand besitzen (wieder nicht herablassend gemeint). Und diese Menschen bezeichnet man nun als asozial. Wer sonst solltemit diesem Wort ebschrieben werden?
Zugegeben: Bei dem Begriff HartzIV denkt man zunächst an jemand faulen und dummen, am besten noch laut und dreckig, wenn nicht sogar betrunken. Dieses schlechte Bild verdanken wir übrigens unter anderem den Hetzkampanien der BILD wie z.B: "Deutschland frechster HartzIV Empfänger".
Aber es ist schwer so eine Vortsellung auf 4.652.442 Personen anzuwenden, die das ALG 2 beziehen. Dafür müsste die Gesellschaft ganz schön verfallen sein. Doch das ist sie nicht. Die meisten Menschen wollen sicherlich wieder arbeiten. Sie bekommen nur keinen Job, weil sie zu alt sind, nicht genügend Fachwissen vorweisen können oder zu lange arbeitslos waren. Diese Leute wegen ein paar schwarzen Scharfen gleich als asozial abzustempeln ist folglich unverantwortlich. Es verdeutlicht weiterhin die begonnene Spaltung der Mittelschicht von der Unterschicht, welche von jener als unddankbare Last angesehen wird.

Aber das darf nicht sein! Wir leben in einem Sozialsstaat. Das bedeutet, dass die sozial Schwächeren von denen geholfen werden sollen, die mehr haben. Hass, Verachtung und Missgunst sind hierbei fehl am Platz.Viel eher sollte man sich darüber empören, dass es immer noch so viele HartzIV Empfänger gibt, während die Arbeitslosenzahl unter unter drei Millionen sinkt. Allein der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass hier etwas falsch läuft. Aber stattdessen hört man auf sein Gefühl und schickt diesen Teil der Bevölkerung in eine soziale Verbannung. Das sind Anzeichen für eine egoistische und leistungsorientierte Gesellschaft, die sich sogar traut größere Bevölkerungsteile als asozial abzustempeln. Dass "Assi-TV" größtenteils nur von Jugendlich verwendet wird, wirft nur noch mehr Bedenken bezüglich der Zukunft dieser Gesellschaft auf. Aber hierzu möchte ich nichts weiteres schreiben. 

Im Übrigen zählen noch mehr Leute zu denen, die "Assi-TV" schauen, denn ansonsten gelänge es RTL nicht für "Familien im Brennpunkt" bis zu 35% des Marktanteils zu bekommen. 

15.10.2011

Abgrund

"We are standing on the edge."

Diese Ruhe vor dem Sturm, wenn alles so still und friedlich erscheint, doch man weiß, dass etwas großes auf einen zukommt. Die Stimmung ist angespannt und magisch zugleich. Sie ist elektrisierend. Man will was tun, doch man ist gezwungen abzuwarten. So hab ich die Welt gesehen. So habe ich es gespürt und danach gelebt. Zwar verändert sich die Welt ständig, doch selten steht sie vor einem Umbruch. Und auf diesen Umbruch warte ich. 

Es geschah so einiges und es wird noch viel mehr geschehen. Wir befinden uns in einer Zeit des Sturm und Drangs. Immer besser und immer schneller müssen wir werden, mehr schaffen, mehr leisten, mehr aushalten.  Gleichzeitig werden wir gestopft und gestillt mit einer Flut aus Eindrücken. Unzählige bunte Bilder, grelle Lichter, verzerrte, laute Musik belasten, ermüden und überfordern unseren Geist. Immer weiter und weiter rasen wir auf den Abgrund zu, getrieben vom Leistungsdruck, geblendet vom Massenkonsum. 

Schon längst sind die bunten Farben der Welt in meinen Augen verblasst. Der Herbst steht in voller Blüte. Ihm wird bald der trostlose Winter folgen und ich blicke einer trüben Zunkunft entgegen. Sie ist dunkel und kalt. Ich warte immer noch auf einen Umbruch. In der Welt scheint er begonnen zu haben. Wenigsten hat man sich dazu getraut, einen Sturm heraufzubeschwören. Doch ob er kommen wird oder die Menschen dem finsterem Winter überlassen werden, wird einzig die Zukunft zeigen.

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Oberes Zitat stammt aus dem Song "Lucky" von der britischen Band Radiohead

06.10.2011

Betreten Verboten

Ein "Betreten Verboten" - Schild hing vor dem Raum des Glücks und brachte den knittrigen, alten Mann dazu, ein leises "Menno!" zu zischen, welches gleichzeitig von einem wütenden Stampfer begleitet war. "Ich bin so lange gereist", schnaufte er erbost, "und jetzt verbietet man mir den Eintritt?" Er zeigte der vor ihm geschlossenen Tür drohend seinen Gehstock.
"Unerhört ist das!" 
Doch die Tür regte sich nicht. Niemand hatte den Protest des Alten gehört. "Wenn ich überlege", sagte er, als er sich erschöpft und resignierend von der Tür wegging, "Wenn ich überlege, dass ich als junger Mann los gezogen bin, nur um diesen Raum zu finden..." In dem Moment warf er dem Schild einen verächtlichen Blick zu. "Vielleicht hätte ich in der Heimat bleiben sollen, bei meiner Familie und meinen Freunden. Ich hätte eine Ausbildung begonnen, einen Arbeit bekommen und irgendwann ein kleines Haus gekauft, das ich sicherlich mit meiner neugegründeten Familie bewohnen würde." 
Der alte Mann stoppte und atmete tief durch. "Ja", dachte er sich, "das wäre passiert, wenn ich nicht losgezogen wäre. Aber ich bin los gezogen!" Mit einem Mal drehte er sich zur Tür um und riss seinen Gehstock in die Luft. "Ich bin losgezogen, um dich zu finden! Und jetzt lass ich mir von einem albernen Schild den Eintritt zu dir verbieten?" Für einen Moment starrte er das Schild an. Sein Gehstock näherte sich wieder dem Boden. "Das ist doch lächerlich", flüsterte er schließlich verärgert. Eigentlich musste er nun zur Tür hinüberlaufen, sie einfach öffnen und hinein gehen, ohne dabei das Schild einen Augenblick lang zu beachten.  Dann wäre er endlich angekommen im Raum des Glücks. Doch seine alten, schwachen Beine widersetzten sich. Sie wollten ihn nicht tragen. Sie wollten nicht dafür verantwortlich sein, dass er die Anweisung des Schildes missachtete und unerlaub sich zutritt zu dem Raum verschaffte. Aber verschwinen, endlich nach Hause gehen, konnte der Alte auch nicht. Zu groß waren sein Stolz und das Verlangen nach jenem rätselhaften Raum. So blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten - in der Hoffnung, dass irgendwann irgendwer zu ihm stieße, der die Verantwortung trug, jenes Schild abzuhängen.
Doch es sollte niemand kommen. 




21.09.2011

Philostotes

Am Anfang war Philostotes
Ein kluger, guter Mann.
Mit großem Herz
Und noch mehr Mut
Zog er in die Welt,
Mit Schwert und Schild,
Hat er den Schmerz
Von uns'rem Haupt getrennt.

Gewonnen hat Philostotes,
einen langen, harten Kampf
gegen Sorgen, Ängste,
Leid und Not -
Das Unheil war sein Feind,
Schließlich vertrieb er
Mit letzter Kraft
Das Schlechte aus der Welt.

Philostotes, er war ein Held! -
Gefeiert und gelobt.
Doch eines konnt'
Ihm nicht gelingen:
Die Gier hat überlebt.
Ihr folgten bald
Hass und Neid,
zurück ans Tageslicht.

Oh Philostotes! Warum müsst Ihr
ein Mensch gewesen sein!
Der viele Ruhm,
das ganze Lob -
Sie taten Euch nicht gut.
Denn Ihr verfielt
der Gier nach mehr,
und vergaßt des Menschens Not.

Philostotes! Du Banaus
bekamest nicht genug.
Macht und Geld
Das wolltest du -
Die Welt war dir egal.
So machtest du
dich nach und nach,
dem Bösen untertan.

Letztendlich, lieber Philostotes,
verlorst du deinen Thron.
Verhöhnt, gestürzt,
Verscheucht, erdolcht -
Du warst es nicht mehr wert.
Denn all unser Glück,
Was du einst brachtest
Exisistierte da schon lang nicht mehr.

17.09.2011

Einbildung

"Es ist nur eine Einbildung", sagte das Monster unter dem Bett, doch war dessen Angst vor dem schlafenden Kind so groß, dass kein Funken Mut entstehen konnte, welcher es dazu bewegen hätte können, hervorzukriechen und sich zu versichern, dass seine Furcht nur auf einer kindischen Illusion beruhte.

14.09.2011

Mondnacht

Demletzt sollten wir im Deutschunterricht ein Gedicht mit dem Titel "Mondnacht" verfassen. Das ist bei mir herausgekommen:



Stille herrschte im ganzen Land,
Als der Mond am Himmel ruhte,
Ich alleine im Walde stand,
dort mein eigenes Schicksal suchte.

Die Sterne hörten leise funkelnd,
Durch das dichte Blätterdach,
Warum ich stand im kalten dunklen
Und welche Dinge ich da mach.

Die Bäume um mich leise rauschten,
Fragten, was mich hierher triebe,
Antworten tat ich, als niemand lauschte:
Ich suche nach der Liebe.

09.09.2011

Die Herren der Welt

Es lebten einst drei Männer, die die Welt regierten. Aber sie herrschten nicht wie ein König, sondern ähnlich den Göttern. Sie formten Gesetze der Natur, verteilten Reiche, Länder und Kontinente und webten das Schicksal vieler. Alle Macht über das Leben und dem Leblosen lag bei ihnen.
Sie selbst hatten sonst keine Besitztümer, weshalb Neid und Gier sie nie befallen konnten. Auch kannten sie nur sich selbst, wodurch sie frei und unbefangen Schicksale weben konnten. Sie folgten einzig ihrem Auftrag, der Welt Harmonie und Gleichgewicht zu bringen.
Für Jahrzehnte webten, ordneten und formten sie auf diese Weise die Welt. Aber mit ihrem Tun und Handeln wurden sie bald unter den Menschen unbeliebt, denn nicht jedem gefiel sein gewebtes Schicksal und nicht jeder konnte den Sinn hinter neuen Gesetzen sehen. Allmählich  wuchs ihre Unzufriedenheit, mehrte sich immer weiter, bis sie schließlich die Herren der Welt aufsuchten und sich bei ihnen beschwerten, Doch mit ihren Klagen stießen sie nur auf taube Ohren und je größer ihre Verzweiflung über ihr Schicksal wurde, desto größer wurde auch ihr Zorn gegenüber den Herren. Sie wollten sich nichts mehr vorschreiben lassen, sich nicht mehr ins Verderben stürzen lassen. Sie wollten frei sein. Frei von jeglichem Einfluss der Herren der Welt, das Leben selbst bestimmen. Denn das, so glaubten sie, führe sie in Wohlstand und Glück.
Irgendwann geschah es jedoch, dass ein Mensch, angeheizt durch Neid  und getrieben von blanker Gier nach Macht, die Führung der Proteste übernahm und die anderen soweit aufwiegelte, dass sie die Herren der Welt gewaltsam vertrieben. Dabei liesen die Herren ihre Macht zurück, welche der Führer der Proteste unter dem Versprechen, es besser zu machen, für sich beschlagnahmte. Schnell formte, ordnete und webte er die Welt nach seinen Wünschen und Vorstellungen um.
Als erstes änderte er die Naturgesetze und verlieh sich dadurch noch mehr Macht. Denn er wollte, aners als die früheren Herren der Welt, nicht so einfach vertrieben werden. Danach ordnete er die Welt neu an. Kontinente verschmolzen und andere Reiche wurden, so weit es ging, aufgelöst. Eine gleichmäßige Verteilung der Ländereien auf alle Menschen war nicht mehr gegeben, stattdessen wurden seine Anhänger bevorzugt, während seinen neuen Kritiker alle Rechte und Besitztümer genommen wurden. Zuletzt macht er sich daran die gesamten Schicksale neu zu weben. Wie schon bei der Neuordnung der Welt, bevorzugte er seine treuen Anhänger. Ihnen schenkte er ein langes, erfolgreiches Leben. Das Leben seiner Gegner hingegen machte er zu einem Gefängnis. Die Herren der Welt wurden durch einen einzigen Menschen ersetzt. Somit wurde Harmonie durch Willkür und Chaos zerstört. 
Aber auch jener neue Herr der Welt konnte nicht alle Menschen zufrieden stimmen. Da sich kaum etwas veränderte, sich nur das Leben der treuesten Anhänger verbesserte, während die meisten Menschen an ihrem Schicksal verzweifelten, wuchs deren Unzufriedenheit. Die zunächst wenigen, die sich öffentlich empörten versuchte der Herr der Welt zu unterdrücken. Doch lange konnte seine Methode sich nicht bewehren. Je mehr Unzufriedenheit er unterdrückte, desto mehr wuchs der Zorn der Menschen. Irgendwann hielten sie die Repressalien und Ungerechtigkeit nicht mehr aus. Man erhob sich, griff zu den Waffen. Man revoltierte und vertrieb nach einem zermürbenden Kampf den Herr der Welt. Die folglich freigewordene Mächte, so war man sich einig, durften nicht wieder in der Hand eines einzelnen gelegt werden oder gar sich selbst überlassen werden. Deswegen beschlossen sie, eine höhere Instanz zu bilden, die dazu befugt war, drei Männer auszuwählen, welche jene freie Mächte übernahmen. Es waren die so genannten neuen Herren der Welt.

22.08.2011

Schwarz und weiß

Schwarz und weiß
Im ganzen Nichts,
Hoffnung leiden,
Freie Pflicht.

Reale Träume,
Schleichend schnell.
Tag und Nacht,
So düster hell.

Kleine Größen,
Freud' und Leid,
Ein Geben, Nehmen,
Geeint verteilt.

Leben Lassen,
Im Sterben sein.
Kalte Hitze
Zu zweit allein.



06.08.2011

Nur dahergeredet

Wörter und Sätze mal eben so gesagt, um zu beeindrucken und auf etwas aufmerksam zu machen - Das Stilmittel der Übertreibung ist stets gefährlich, vor allem in den Medien, wenn breite Volksmassen es nicht erkennen. Dann wird schnell aus der Übertreibung ernst gemacht. So wird manipuliert. 

Vor allem heute in dem schnellen Zeitalter, in dem man oft nicht genügend Zeit besitzt sich intensiv mit Texten und Themen zu beschäftigen, in dem man eher von bunter Werbung überschüttet wird, in der Stars kommen und gehen und Regierungen innerhalb von nur ein paar Tagen eine 180° Wendung in ihrer Politik vollführen. Die Welt ist rasant und wird immer schneller. Was nicht einen sofort beeindruckt, wird gleich wieder vergessen und geht unter. Da ist es doch nur logisch, dass Übertreibungen als stärkstes stilistisches Mittel, fast ausnahmslos benutzt werden und weil die Menschen (scheinbar) immer weniger Zeit haben, hinter den Aussagen der Werbung, Presse und Politikern zu schauen und sie zu überprüfen (wobei man erwähnen sollte, dass dies ein großer Teil der Menschen dies nie tat). Man hält die Aussagen einfach für wahr, wohl auch in dem Vertrauen, dass die Medien das richtige schreiben, ungeachtet dessen, dass in den Redaktionen größerer Zeitungen oftmals kaum innere Pressefreiheit herrscht. 
Manipulation ist aber nicht der einzige Effekt der Übertreibung - auch wenn es eigentlich das Ziel des Stilmittels ist, den Zuhörer von der eigenen Sache zu überzeugen. So hat der unüberlegte bzw. ein zu häufiger Gebrauchs der Übertreibung die Auswirkung, dass bestimmte Sätze und Wörter alsbald einfach nur dahergesagt werden. Sie beginnen, trotz ursprünglich intensiver Bedeutungen, Alltagssprache zu werden und verlieren damit an Wert.
Aber auch im privaten kommt es vor, dass man im Daherreden Worte und Sätze verwendet, die man vor vielen Jahren noch vorsichtiger verwendet hatte. Doch hat es dies schon immer gegeben, dass Worte ihre Bedeutung verloren und eine neue erhielten (das wohl bekannteste Beispiel dafür ist das Wörtchen "geil"). Durch diese Entwicklung jedoch kommt es oft zu Missverständnissen, manchmal zwischen Jung und Alt, manchmal zwischen Volk und Regierung und manchmal einfach nur zwischen den Menschen, die einzig von der alten Bedeutung des Wortes wissen, und solchen, die das Wort mit der neuen Bedeutung verwenden. Dies ist eine dritte, kleinere Gefahr, die zwar nur temporär wirkt, aber auch nicht außer Acht gelassen werden sollte.

Hier eine Übersicht, um welche Wörter und Sätze es unter anderem geht:

  • App: Bezieht sich eigentlich nur auf Zusatzanwendungen für Geräte von Apple, aber wurde recht schnell veralgemeinert. (Siehe hierzu auch Wikipedia)
  • Börsenpanik vernichtet 2,5 Billionen Dolla**: Dieses Geld existierte nicht wirklich*. Es handelt sich genau genommen um den Wert einer Firma, festgehalten in Papieren und elektronischen Zahlen. Nebenbei kann Geld bei Börsenspielen nicht einfach so vernichtet werden, sondern geht höchstens an andere verloren. 
  • BIP: Das Brutoinlandsprodukt wird seit einigen Jahren fälschlicher Weise als Wohlstandindikator verstanden. Dabei es nur den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Landes  in einem Jahr zum Endverbrauch produziert wurden. Dabei definiert man Wohlstand nicht alleine aus der wirtschaftlichen Leistung.
  • Bundeskanzlerin: Diese Amtsbezeichnung existiert offiziell nicht.
  • Deutschland geht es gut: Unter anderem von Bundeskanzler(in) Merkel gesagt. Bei genauerer Betrachtung der Verhältnisse in Deutschland ist dies jedoch nur die halbe Wahrheit. Wahrscheinlich bezieht sich der Satz mehr auf die wirtschaftliche Lage, als auf die Bevölkerung
  • Europa: Wird oftmals verwechselt mit der EU. Europa ist übrigens auch kein eigener Kontinent, sondern ein Teil von Eurasien.
  • Freunde: Die (beginnende) Entwertung des Begriffes durch Social Networks ist bereits allgemein bekannt
  • Griechenland: Zur Zeit wird das Wort als Synonym für die dortige Regierung bzw. des Staatshaushaltes verwendet. (Ähnlich verhält es sich mit "Berlin", "Deutschland", "Brüssel", Washington", etc.)
  • Ich liebe etwas (bestimmtes zu tun): Alltägliche Übertreibung zum Ausdruck der Begeisterung über etwas. Kinder erwidern bei solchen Sätzen oftmals: "Und wann heiratet ihr beiden?"
  • In unserem Land herrscht Pressefreiheit: Dass solche Sätze wirklich der Wahrheit entsprechen, ist nicht immer der Fall, auch wenn es von der Regierung versichert wird. Eigentlich schnürrt jegliches Mediengesetz diese Pressefreiheit ein und auch wenn äußerlich Pressefreiheit herrscht, liegt es z.B.bei den Chefredakteuren von Zeitungen, welche Themen (aus welcher Sichtweise) behandelt werden.***
  • Revolution: Wird oftmals in der Werbung benutz, um Neuerungen (übertrieben) hervorzuheben. Der Begriff selbst wird oft als schnelle, meistens gewaltvolle Veränderung von politischen/gesellschaftlichen Verhältnissen gesehen, dabei sind Revolutionen mehr schleichende Prozesse von mehreren Jahren und Jahrzehnten, die irgendwann ausschlagen. 
  • Stalker bzw. Stalking: Der Begriff wird häufig für Leute verwendet, die vor allem in Social Networks das Profil, Pinnwandeinträge, Kommentare und/ oder Statusnachrichten einer bestimmten Person intensiv verfolgen. Es handelt sich dabei eigentlich um das wiederholte Nachstellen, Bedrängen und Belästigen einer Person, was für die gestalkte Person zu psychischen Problemen führen kann. (Siehe hierfür auch Wikipedia)

** Zitat stammt aus einem Artikel von Spiegelonline
***Siehe hierfür auch folgendes Video unter anderem über die innere Pressefreiheit der großen deutschen Zeitungen

Nähere Erläuterungen und weitere aktuelle, politische Beispiele finden Sie auch auf den folgenden Seiten:
http://le-bohemien.net/2011/07/25/propaganda-in-deutschland/
http://le-bohemien.net/2011/08/02/neusprech2/
http://networkedblogs.com/likQ1

03.08.2011

Träume

Albernde Träume -
Albernde kindische Träume -
Albernde kindische Träume, so realitätsfern und voller Naivität.
Träume - aufgebaut und gestützt von Illusionen.
Ein Hauch von Sehnsucht ist zu spüren;
Sie klebt an ihnen, steckt in ihnen, erfüllt sie bis in den kleinsten Zweig.
Sie macht sie zu etwas persönlichen und einzigartigen.

Nutzlose Träume -
Nutzlose törichte Träume -
Nutzlose törichte Träume, belanglos und doch gut gemeint.
Gedachte Ideen ohne Bezug,
Geschützt vom ewigen Schweigen.
Denn es versteckt sie vor den Klauen der Welt,
Vor dem grausam quälend, gräßlichen Hohn
Derer, die sie nicht verstehen.

Schöne Träume -
Unbeschreiblich schöne Träume -
Unbeschreiblich schöne Träume, vollkommen und scheinbar perfekt,
Sie geben uns Hoffnung,
Visionen von einer besseren Welt.
Verbildlichen unsere tiefsten Sehnsüchte 
nach Liebe, Freiheit und Glück.

Vergeblich sucht man sie hier in der Realität,
Sondern erheitern uns lieber dann und wann,
Immer wenn wir sie zu brauchen glauben,
Stärken unseren Mut, erzählen im flüsternden Tone
Großartige Geschichten von Menschen erdacht,
Im Schlafe, in Gedanken, in der Not gemacht.

28.07.2011

M und das Traumgericht

M erwacht überraschend in einem Gerichtssal. Er sieht den Richter und den zwischen unzähligen Papierenstapeln eingeschlafenen Staatsanwalt. Er selbst sitzt in der Mitte des Raumes. Um sie herum war alles Weiß wie in einem Traum.

Der Richter (in einem rauhen Tonfall): "Mein Herr, wissen Sie, warum Sie hier sind?"

M (völlig verwirrt und etwas verträumt): "Nein! Und überhaupt: Wo bin ich hier? Im Gericht? Warum? Was hab ich getan?"

Richter (etwas verärgert): "Mein Herr, Sie wollen mich wohl veralbern! Haben Sie etwa die vergangenen Tage verschlafen?"

M (immer noch sehr verwirrt): "Nein - Ja - Nein! -  Also ich bin hier aufgewacht. Aber gestern bin ich ins Bett gegangen. Ich bin mir dabei ziemlich sicher, Herr Richter. Welchen Tag haben wir denn heute? Gestern war der 17. Das weiß ich noch. Also, welchen Tag haben wir heute?"

Richter: "Zeit spielt hierbei keine Rolle."

M (jetzt etwas verzweifelt und bettelnd): "Aber ich bitte Sie darum! Nur um das eine! Nur um jetzt zu beweisen, dass das alles hier ein Irrtum ist!

Richter (nachgebend): "Na gut" und brüllt: "Staatsanwalt!"

Staatsanwalt wacht erschrocken auf: "Ja? -  Achso, die Anklage - Ähm, wo hab ich sie denn..."(wühlt in den Unterlagen herum)

Richter:"Nicht die Anklageschrift! Das Datum!"

Staatsanwalt (unbeirrt): "Achso, Herr Richter, ich verstehe -" Sucht weiter in den Unterlagen, bis er ein Pergament hervorzieht und es überfliegt. "Also vor drei Tagen war die Verabredung des Angeklagten mit der jungen Dame K."

M (jetzt hellwach und entsetzt): "Was zum... Woher wissen Sie das?!"

Richter: "Unsere Quellen sind nicht vom Belangen! Jedenfalls wissen Sie das Datum. Waren Sie die letzten drei tage wach?"

M (nachgebend): "Ja..."

Richter: "Dann sitzen Sie zu Recht hier." Zum Staatsanwalt gewandt: "Staatsanwalt!"

Der Staatsanwalt, der sich wieder hingelegt hat: "Die Anklageschrift?"

Richter: "Die Anklageschrift, bitte."

Staatsanwalt: "Na endlich - Moment, ich suche sie für Euch heraus." Wühlt sich wieder durch die Papiere durch und streckt schließlich triumphierend ein Stück Papier heraus. "Ach, hier ist sie ja!" Steht auf. "Also, meine Damen und Herren, Herr Richter." Mit herabwürdigend Blick zu M: "Angeklagter." Wendet sich wieder an den Richter: "Der Angeklagte, M, wird des skrupellosen Zerschlagends der Hoffnung zweier Liebenden beschuldigt. Hinzu kommen tiefe Depressionen und die Verdunkelung und Sinnentleerung der eigenen Welt."

Richter: "Danke, Staatsanwalt. Sie können sich wieder setzen - Oder legen. Wie es ihnen beliebt - Will sich der Angeklagte sich zu den Vorwürfen äußern."

M, der sich nun völlig veralbert vorkommt: "Das ist doch alles lächerlich hier!"

Richter (mit ein wenig Enttäuschung in seiner Stimme): "Also nein - Kommen wir folglich zum Urteil -"

M unterbrechend und völlig entsetzt: "Wie bitte!? Keine Verteidigung? Hab ich kein Recht darauf?"

Richter: "Doch, aber sie meinten ja vorhin, dass dies alles hier lächerlich sei. Somit nehmen Sie das alles hier nicht ernst. Staatsanwalt..."

M den Richter wieder unterbrechend: "Warten Sie noch! Aber sie müssen doch beweisen, dass ich schuldig bin!"

Richter: "Nicht hier."

M: "Nicht hier? Nicht hier? Wo sind wir denn? In einem staatlichen Gerichtssal sicherlich nicht!"

Richter belächelnd: "Nein. Was haben Sie sich denn gedacht! Lächerlich - wie es Sie ausdrücken würden."

M (zwischen hoffnungsvoll und völliger Verzweiflung): "Aber einen Verteidiger habe ich doch, oder? Oder?"

Richter: "Natürlich. Den haben Sie, doch lassen Sie ihn nicht zum Wort kommen."
M: "Wie bitte? Was meinen Sie damit? Wen meinen Sie damit?"

Richter: "Ich meine damit Ihre Vernunft, die in Ihrem Anflug von Wut und Verwirrung untergegangen ist. Aber jetzt ist es eh zu spät." Wendet sich zum Staatsanwalt, ohne dabei auf M zu achten "Staatsanwalt!"

Staatsanwalt schreckt auf: "Was? Ja? Die Anklageschrift..."

Richter: "Nicht die Anklageschrift! Sondern auf welche Strafe plädieren Sie?"

Staatsanwalt (unbeirrt): "Achso, die Strafe - Mal schauen..." Er sucht wieder zwischen den Papiern nach. Findet aber scheinbar nichts passendes. "Schwer zu sagen, Herr Richter. Ich denke -" Findet schließlich ein Schriftstück, was ihm gefällt. "Ja ich glaube das ist gut. - Wir plädieren auf Selbstmord!"

M will sich empören. Richter kommt ihm aber zuvor: "Verteidiger, auf was plädieren Sie?"

M empört und entsetzt zugleich: "Selbstmord?! Was zum..."

Richter M unterbrechend: "So soll es sein. Das Urteil sollte die nächsten 24 Stunden vollzogen werden. Einen schönen Tag noch." Er steht auf und will den Raum verlassen.

M: "Was?! Wie? Das kann doch - das kann doch nicht angehen! -" Er steht auf und eilt dem Richter hinterher. "Herr Richter! So warten Sie doch!"

Richter bleibt daraufhin stehen: "Warum solte ich warten? Sie hören doch nicht zu! Warum sollte ich dann auf Sie hören? Sie hören sich doch selbst nicht zu."

M (zögernd): "Aber - "

Richter: "Ihr 'Aber' wird Ihnen nicht helfen. Es war doch Ihre Schuld, es waren Ihre Fehler, dass die Dame K. nichts mehr von ihnen wissen möchte, oder? Deshalb stürzen Sie sich in solche Depressionen! Deshalb halten Sie nichts mehr von der Welt! Finden Sie sich folglich damit ab oder gehen Sie dem Urteil nach."

Der Richter verlässt schließlich den Saal. M schaut ihm sprachlos nach. Der Staatsanwalt ist wieder schnarchend zwischen seinen Papierbergen eingeschlafen.

26.07.2011

Ein Zitat von Pastor Niemöller

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte."


http://de.wikiquote.org/wiki/Martin_Niem%C3%B6ller

22.07.2011

Die orangene Fahne

Eine orange Fahne ragte über uns zum Himmel empor.
Wir beide lagen auf den Oberdeck und starrten in den blass blauen Himmel. Vereinzelt türmten sich schneeweiße Wolken zu majestäticher Größe auf. In der Ferne hörten wir das Krächzen der Möwen. Unser Schiff lag ruhig auf dem Meer. Eine Kühle Brise streifte unsere Haut. 
"Es wird kalt", flüsterte er, als sich einer der imposanten Wolken vor die Sonne schob und es mit einem Mal dunkel um uns herum wurde. 
"Ach was", meinte ich gähnend. "Das kommt nur davon, dass du dich nicht bewegst."
"Aber wenn ich mich bewege, beginnt das Schiff an zu wanken!" - Es war ein albernder Einwand, denn wir lagen auf einem größerem, stabilen Segelschiff. Deswegen gab ich nur ein  "Mh..." von mir und belies es dabei. 

Es waren Dialoge, wie diese, welche ich an ihm so mochte. Momente, die unsere Freundschaft zu etwas Einzigartigen machte. Er hatte eine ganz verdrehte Weltansicht. Sie war viel zu verwirrend und komplex, als dass ich sie ohne weiteres Erläutern könnte. Jedenfalls nahm er die Welt ganz anders auf und verstand sie auch anders, als ob sie ganz andere Dimensionen besäße.
Seine Gedanken und Aussagen waren für mich rätselhaft und anziehend zugleich und auch der Grund, warum ich ihn nie mit meinen Freunden traf. Die meisten von ihnen konnten einfach nicht nachvollziehen, dass er auf ganz andere Art und Weise dachte, als ein typischer Jugendliche in seinem Alter. Sie stempelten ihn einfach als Seltsam ab und versuchten ihn zu meiden oder lästerten über ihn, zogen über seine für sie merkwürdigen Aussagen her. Mir wurde immer schlecht, wenn sie in meiner Anwesenheit über ihn sprachen, als ob er ein Idiot wäre.
Klar, er war vielleicht eigenartig. Aber er war keines Falls ein Idiot.

"Was denkst du gerade?", fragte ich nach einiger Zeit. Wir hatten uns keinen Zentimeter berührt, sondern liesen uns von der Stille umhüllen und genossen das Meer mit seinen ganzen Eindrücken. Ich fragte soetwas öfters, wenn wir beisammen saßen oder lagen und einfach die Stille genossen. Es interessiert mich eben, was für merkwürdige Denkprozesse in seinem Kopf vorgingen.
Die Sonne zeigte sich wieder. Es wurde schlagartig warm.
"Ich betrachte die orangene Fahne da oben am Mast", antwortete er nach einem Moment des Genusses der warmen Sonnenstrahlen.
"Die ist mir auch schon aufgefallen", sagte ich und erinnerte mich, dass der Wind dort oben heftig an der Fahne gezehrt hatte. Deshalb fügte ich hinzu: "Über uns scheint wohl ein ganz schön starker Wind zu wehen."
"Ja, das tut er - meinst du, dass der Wind sie fortreisen möchte?"
"Wer weiß das schon..."
Wir schwiegen wieder. Ich vergaß das Thema. Er aber blieb an seiner Überlegung dran und baute sie aus, indem er ein paar Minuten später meinte: "Vielleicht will die Fahne ja von dem Fahnenmast los kommen, indem sie von dem Wind hinaus aus Meer fortgerissen wird." 
"Warum würde die Fahne denn fliehen wollen?"
"Würdest du für dein Lebenlang an einem Mast gefesselt sein?", fragte er daraufhin. Ich musste lächeln. Ich glaubte zu wissen, worauf er hinaus wollte. "Naja", überlegte ich laut, "Vielleicht ist es ja die Bestimmung der Fahne, dort oben zu hängen..." Er dachte kurz nach und erwiderter dann: "Aber ein Elefant, der in einem Zoo geboren wurde und aufwächst, hat auch eine Bestimmung, die ihm im Vergleich zur Freheit nicht wohl bekommt." Ich fand den Vergleich im ersten Moment etwas albernd. "Aber der Elefant wird kaum lang in der Freiheit überleben können."
Er lachte nur und drehte sich zu mir um.
"Denkst du denn, dass die Fahne draußen auf dem Meer überleben wird?"

Damit endete unser kleiner Dialog. Die philsophische Bedeutung dahinter wurde mir erst viel später, bewusst, so wie es bei einer Vielzahl unserer Gespräche der Fall war. Einige verstehe ich jedoch bis heute nicht.

Hessel über die Gewalt und Unterdrückung

Gedanken des französichen Diplomaten, Resistance - Veteranen und Autor Stèphan Hessel über Hoffnung, Gewalt, Terrorismus und Unterdrückung. Zitate sind nach ihrem Auftauchen in Hessels Streitschrift  "Empört Euch!" sortiert.

"In der Verzweiflung ist Gewalt ein bedauerlicher Kurzschluss zur Beendigung einer für die Betroffenen unerträgliche Situation. So gesehen ist Terrorismus eine Erscheinungsform von Verzweiflung."
 "So verständlich, fast naturgemäß sie (die Hoffnungslosigkeit) ist, kann man sie dennoch nicht akzeptieren, denn aus ihr stammt ni hts, was eventuell wieder Hoffnung sprießen ließe."
"Wir müssen begreifen, dass Gewalt von Hoffnung nichts wissen will. Die Hoffnung ist vorzuziehen - die Hoffnung auf Gewaltlosigkeit. Das ist der Weg, den wir Einschlagen müssen. Wenn uns gelingt, dass Unterdrücker und Unterdrückte über das Ende von Unterdrückung verhandeln, wird keine terroristische Gewalt erforderlich sein. Deshalb darf man nicht zulassen, dass sich zu viel Hass aufstaut."
"Gewalt wirkt nicht. (...) Terrorismus wirkt nicht."
- Stèphane Hessel,  "Empört euch!" 
 

08.07.2011

Ein kurzes Gespräch über die Welt

"Lass uns über die Welt reden, Thomas!"
Ich starrte den alten Mann neben mir verdutzt an. Wir saßen im Park auf einer Bank im Schatten einer großen, alten Eiche. Ich hatte schon seit einer längeren Zeit auf der Bank gesessen. Der mir fremde Mann war etwas später dazugekommen. Es hatte mich schon zu diesem Zeitpunkt gewundert, warum sich der alte Mann neben mich gesetzt hatte und nicht eine der zahllos anderen leeren Bänken gewählt hatte. Seine überraschende Aufforderung, die durch die Nennung meines Namens sogar unheimlich wurde, folgte nur fünf Minuten später. 
Ich wusste zunächst nicht, was ich sagen sollte. Für einen Moment starrte ich den Mann nur an, versuchte Blickkontankt herzustellen, wodurch mir dessen faltiges Gesicht vielleicht unter Umständen bekannt vorkommen könnte. Aber er blickte steif geradeaus. Gehstock und Hut lagen zwischen uns.
"Kennen wir uns?", fragte ich nach einer Weile zögernd. "Ich kenne Sie, Thomas. Aber Sie werden mich bestimmt nicht kennen." Er kicherte, was eher einem dumpfen Brummen ähnelte. "Also was ist? Wollen Sie über die Welt reden?"
"Wer sind Sie?"
"Das braucht Sie eigentlich nicht zu interessieren. Viel eher sollte es Sie interessieren, dass jemand mit ihnen reden möchte und auch noch über ein großes, bedeutsames Thema, Thomas. Wie wär's nun?"
Ich hörte dem Mann gar nicht zu. Ich war viel zu verwirrt, als dass ich auf ihn eingehen könnte. Denn immer noch wunderte es mich, dass er mich kannte. Mich! Einen bedeutungslosen niemand! Ich hatte einen einfachen Schreibtischjob, einen bescheidenen Freundeskreis. Man kannte mich nicht, ohne dass ich einen kannte. Wer war alsodieser alte Mann? Er kam mir nicht bekannt vor. Seine Stimme erinnerte mich an niemanden. Ich fragte noch mal: "Sind wir uns wirklich noch nicht begegnet?"
"Doch, doch!", antwortete der Mann daraufhin. Er blickte mir direkt in die Augen. "Aber Sie werden sich nicht daran erinnern. Das tut keiner."
"Wie meinen Sie das?"
"Ich kenne viele Menschen. Die meisten sogar sehr gut."
Ich wollte etwas sagen, belies es aber bei seiner Aussage und starrte vor mich auf den Boden. Der alte Mann wurde mir allmählich wirklich unheimlich. Für was hielt er sich, dass er solche Aussagen treffen konnte? Ein peinlicher Gedanke beschlich mich. Vielleicht war er ja Gott. Aber selbst ich konnte mir dies nicht vorstellen, bis der alte Mann folgendes sagte: "So sind sie, die Menschen. Sie wollen mich nie sehen, nur dann, wenn sie unglücklich sind."
"Sind Sie Gott?", fragte ich sofort und wurde gleichzeitig etwas rot im gesicht.
"Pah! Nein! Dass daran alle Menschen sofort denken müssen, wenn sie mir begegnen! Als ob Gott da oben nichts besseres zu tun hätte, als zu einzelnen von uns herunter zu kommen und ausgiebig über den Sinn des Lebens zu diskutieren!" Er lachte laut, was mir weiter die Röte ins Gesicht trieb. Aber jedenfalls gab es mir die Gewissheit, dass es sich bei dem alten Mann um einen Menschen handelte, der sich vor allem selbst als Menschen sah. Aber trotzdem blieb er mir merkwürdig. Deshalb versuchte ich nichts zu sagen, traute mich nicht einmal mehr zu rühren, damit er endlich aufhörte mit seinem seltsamen Gerede. Dies funktionierte auch für eine Weile. Eigentlich hätte ich einfach weggehen müssen. Doch so unhöflich wollte ich mich dann auch nicht benehmen. Er sollte als erstes die Bank verlassen, was er jedoch einfach nicht tat. Wir schwiegen folglich vor uns hin.
Die Zeit verging oder verging nicht. Ich wusste es nicht. Auf die Uhr wollte ich nicht schauen. Jedenfalls fühlte es sich wie eine halbe Ewigkeit an. Ein quälendes Gefühl, das mich langsam innerlich zereisen drohte. Zudem stieg in mir auf einmal etwas Neugierde hoch. Irgendwie wollte ich schon über die Welt reden. Ich zögerte jedoch damit, das Gespräch zu beginnen, bis ich es schließlich einfach nicht mehr aushalten konnte.
"Über was genau gedenken Sie zu diskutieren?", fragte ich leicht stockend. Der alte Mann schielte aus den Augenwinkeln zu mir hinüber. Er lächelte siegessicher. 
"Über was Sie wollen. Die Welt ist groß. Es kann viel in ihr verborgen liegen."
"Na schön", meinte ich und beugte mich nach vorne. "Finden Sie, dass die Wet ein guter oder schlechter Ort ist?"
Der alte Mann lachte. Scheinbar hatte er mit der Frage gerechnet. "Ein guter Ort", antwortete er schließlich. "Die Welt ist ein guter Ort, weil es immer noch Menschen gibt, die mit mir über große Dinge diskutieren wollen." Ich lächelte.
"Was ist mit Ihnen, Thomas? Ist die Welt das Paradies oder die pure Hölle?"
"Weder noch..."
"Was dann?"
Ich zögerte. Wie sah die Welt für mich aus? Eine Frage, mit der ich mich noch nie wirklich beschäftigt hatte.
"Zur Zeit erscheint sie unfreundlich", meinte ich, ohne überhaupt zuvor einen Gedanken geformt zu haben. Der Satz schoss einfach so aus mir heraus. Es verwirrte mich und ich blickte rätselnd zu dem alten Mann. Aber er war plötzlich verschwunden. Wie in einem schlechten Film.
Ich blieb noch einige Zeit auf der Bank sitzen. Vielleicht hoffte ich darauf, dass der alte Mann wieder käme, um unseren angebrochenen Dialog weiterzuführen. Andererseits ist mir etwas klar geworden, nämlich dass ich mit der Welt nicht zufrieden war. Warum? Diese Frage versuchte ich nun auf der Bank sitzend zu beantworten.



27.06.2011

Namen

Monster - Das war sein Name, den ihm seine Feinde gaben.

Held - Das war sein Name, den er in seinem Heimatland trug.

General - Das war sein Name, mit dem ihm seine Soldaten ansprachen.

Fritzchen - So nannte ihn nur seine Mutter.

 

24.06.2011

Wie die Welt unterging

Oder: Warum ich einfach nicht meine Finger von rot blinkenden Knöpfen lassen konnte


Das Leben bot schon einige lustige Geschichten. Nun gut - die meisten werden meine Geschichte nicht wirklich unterhaltsam finden, da ich am Ende das Schicksal von über 6 Milliarden Menschen besiegelte. Aber rückblickend betrachtet glaube ich, dass mein Leben, welches von so vielen eigenartigen Zufällen und unglaubwürdigen Ereignissen geprägt wurde, doch irgendwo amüsant war.
Ich wuchs in einer armen Familie auf. Da ich als Kind immer Wissenschaftler werden wollte, schenkte mir meine Eltern mit 8 einen Chemiebaukasten. Zwar war er halb leer (der Kasten gehörte einst dem Nachbarsjungen), aber nachdem ich die fehlenden Chemikalien mit Reinigungsmitteln meiner Mutter gefüllt hatte,  konnte ich einige gute, schön schäumende Experimente machen. Aber mein eigentliches Ziel, eine Explosion, erreichte ich erst drei Jahre später, als ich meiner Mutter beim Kochen helfen wollte. Sie hatte irgendetwas in die Mirkowelle getan, jedoch diese nicht angemacht, da sich wohl noch etwas Metallisches im Essen befunden hatte.
Ich  weiß nicht genau, warum ich es getan hatte. Vielleicht hatte ich einfach nur Hunger und wollte endlich essen. Jedenfalls hatte ich es gesehen und schloss folglich die Mikrowelle. Dann drückte ich den rot leuchtenden Startknopf. Was nun pasierte, geschah wie im Film. Meine Mutter schrie auf, als sie das Summen der Mikrowelle hörte, und schnappte mich. Panisch zog sie mich nach draußen. Kurz darauf ging unsere Küche hoch. 
Die Schäden waren immens und für meinen Vater kaum zu tragen. Ich konnte jedenfalls nie Wissenschaftler werden. Stattdessen musste ich frühzeitig die Schule beenden und suchte mir einen Job, den ich alsbald wieder verlor. Ich lebte vor mich hin, reißte umher, häufte immer mehr und mehr Schulden an. Mein Leben wurde immer dunkler. Ich war nahe dran, aufzugeben.
Anfang des Jahres 2034 bot sich mir dann endlich die Chance, aus meinem Elend raus zu finden. Man stellte mich als Putzkraft im ersten Fusionskraftwerk der Welt ein. Es war zu dem Zeitpunkt noch nicht aktiv gewesen. Die Physiker arbeiteten daran, die neue Technologie so sicher wie möglich zu machen. Am Tag vor der Inbetriebnahme hatten sie schließlich die letzten Probleme und Zweifel aus dem Weg geräumt. Über die Stringtheorie hatten sie in Simulationen alle Gravitatonischen Schwankungen innerhalb der Anlage vorausgesagt. Die Theorien der Quantenmechanik hatten ihnen dabei geholfen, das Verhalten der Teilchen vorherzusagen. Gefährliche potenzielle Quantenfluktuation waren folglich fast ausgeschlossen. Die Anlage war sicher, sicherer als jedes Atomkraftwerk, sicherere als jeder Bunker, sicherer als Fort Knox. Man hätte starten können, wäre der Präsident zu dem Zeitpunkt da gewesen, um das Kraftwerk zu starten. So aber verschob man die Inbetriebnahme um einen Tag - einen Tag, in dessen Nachtstunden ich Putzdienst hatte. 

Ich kann nicht exakt sagen, warum ich es getan hatte. Vielleicht hatte ich zuvor einfach nur ein bisschen zu viel Alkohol getrunken. Aber wer weiß das denn auch schon so genau? Jedanfalls war ich an diesem Abend in der seltsamerweise leeren Steuerungszentrale der Anlage gewesen und sah diesen rot blinkenden Knopf unter einer durchsichtigen Plastikhaube. Es handelte sich dabei um den Startknopf.
Ich blieb vor ihm stehen und starrte ihn für eine Weile an. Mir kam die Frage auf, warum niemand das Kraftwerk starten wollte? Sollte und durfte man überhaupt auf den Präsidenten warten? Meine Zweifel waren berechtigt. Denn die damalige Energiekriese drohte die gesamte Welt aus den Fugen zu werfen. Strom war unglaublich teuer geworden. Manche Familien konnten ihre Wohnung im Winter nicht ein mal mehr Heizen. Autofahren gehörte sowieso schon seite Jahren als Priveleg der Oberklasse.
Ich wusste, dass die Energie des Fusionskraftwerk den ganzen Kontinent mit billigen Strom versorgen könnte. Es würde den Menschen helfen. Es würde die Welt verändert. Warum dann also damit warten? Je früher der Welt geholfen wird, umso besser! Außerdem war es sicher. Es durfte daher nichts passieren, wenn ich als Laie die Anlage einfach aktivieren würde. Folglich brach ich mit großer Mühe die Plastickhaube auf und drückte den rot blinkenden Knopf. Was nun passierte, geschah wie in einem Film: Die Anlage begann zu arbeiten. Ich freute mich, begann zu jolen. Ein Alarm ging an. Dann stürzte der aufsichtshabende Forscher in den Raum. Ich schaute ihn stolz an. In seinem Gesicht sah ich pure Angst stehen. Er schrie mich an. Doch der Alarm war zu laut. Sicherheitsmänner kamen herbei und packten mich. Ich beobachtete, wie der Wissenschaftler an das Kontrollpult rannte. Man zog mich aus dem Raum. Kurz darauf ging der Fusionsreaktor hoch. Mit dem Reaktor das ganze Gebäude. Die Explosion zeriss die Erdkruste. Die Druckwelle verwüstete die Oberfläche. Hitze und Feuer verschlangen alles Leben. Innerhalb von Sekunden verwandlete sich der blaue Planet zu einem toten Felsen.
Das alles passierte nur, weil ich in meiner Versessenheit der Welt zu helfen vergessen hatte, die Kühlaggregate zu aktivieren. Ansonsten wär der Reaktor nicht heiß gelaufen und explodiert. Ich wollte unbedingt der Welt helfen und zerstörte sie letztendlich in meiner Blindheit.

Viele schlimme Dinge geschehen eben aus den Folgen einer eigentlich gut gemeinten Tat. 




21.06.2011

Vom Unglück eines armen Träumers

"Mein bester Freund,

Ich habe das Gefühl, wahnsinnig zu werden. Es ist keine Einbildung eines verblendeten Verstandes, sondern einzig die Wahrheit. In den Stunden, die ich in Gesellschaft von Menschen verbringe, wirke ich abwesend. Auf meine Arbeiten kann ich mich nicht mehr konzentrieren und liege ich am Abend in meinem Bett so zerbricht meine Seele unter der Last der Einsamkeit. Ich bin öfters gereizt - sebst, wenn ich eigentlich ausgeschlafen bin. Die Schönheit der Natur kann mich nicht mehr erfreuen. Für mich erscheint alles nur noch Schwarz und Weiß und meine Gedanken sind... wirr...

Mein Kopf droht zu explodieren. So voll von Gedanken und Gefühlen, die alle dazu drängen, ausgesprochen zu werden. Doch keinem einzigen gelingt die Flucht ins Freie. Stattdessen füllen immer weitere Bilder und Ideen meinen Geist, drücken alles ab, was ich zu einem normalen Leben benötigen würde. Wenn du mich sehen könntest! Du würdest sofort sehen, dass etwas nicht mit mir zu stimmen scheint. Und warum das ganze? Welches Werk des Teufels tut meiner Seele solches Leid an? Du wirst lachen und zu gleich trauern, wenn du die Antwort lesen wirst. Es benötigt ein Wort - vielleicht zwei: Liebe. Unglückliche Liebe...

Eine unglückliche Liebe, die nicht unglücklich hätte sein brauchen, wenn  man in den wichtigen Momenten ein quäntchen Verstand und ein bisschen Mut besessen hätte, um das einzig richtige zu tun. Aber ich möchte keine alten Wunden aufreißen. Sie würden mich nur in einen bösen Wahn treiben. Außerdem kennst du meine traurige Geschichte. Wozu also noch mal alles erörtern? Mich verlässt nur einfach nicht der Gedanke, dass es meine Fehler waren...

Du kennst sie, du kennst mich und du weißt, wie mir ihre Schönheit den Kopf verdreht hat. Doch diesen schnellen Tod habe ich wohl nicht verdient. Nun ist ihre Schönheit nicht mehr belebend, sondern wirkt wie Gift auf meine Seele. Einzig ihre Nähe könnte mich retten. Oder die Zeit vermag die zu tun - aber die Zeit braucht und währenddessen leide ich unaufhörlich weiter. Nenne mich dämlicher Träumer! - Oder nenne mich Werther! Beides trift sicherlich zu...

Ich weiß, ich sollte von ihr los kommen, sollte das lange Leben leben, welches noch vor mir liegt. Aber mich verbindet ein starkes Band der Sehnsucht zu ihr und sie alleine besitzt wohl die Schere, um dieses Band zu zerschneiden. Ich bin ihr gänzlich verfallen...

"Liebe ist gut", rede ich mir ständig ein. Liebe ist das größte. Mit solchen Sätzen halte ich mich bei Laune, auch wenn es nicht stimmt. Wird sie nicht erwiedert, so verdunkelt sich die Welt um einen. Dann macht es alle zu nichte. Verstehst du? Mein Liebe zu ihr macht alles zu nichte. Sie zerschlägt meine Motivation, schnürrt mir die Luft ab, zerreist mein klägliches Herz. Ich würde sie dafür hassen, dass sie mich so sehr verrückt macht, wenn mich mein Herz nicht zwänge, sie zu so sehr zu lieben...

Wahrlich glaube ich, dass sie mich verfolgt. Egal, wo ich bin oder wohin ich gehe, egal was ich tue oder in welcher Situation ich gerade stecke, sehe ich ihre Gestalte, stelle ich mir ihr strahlendes Gesicht vor, füllt einzig der Gedanke an ihr meinen Kopf. Sie wirft einen großen Schatten auf meine Seele. Aber sie ist mehr als das: Licht und Schatten zugleich. Eine unglaubliche Droge. Das Elixier des Lebens...

Mehr Worte braucht es nicht und mehr kann ich auch nicht geben. Sie ist schon wieder in meinem Kopf. Wobei sie keine Schuld trifft. Ich stelle sie mir ja vor! Ich törrichter Träumer schaufle mein eigenes Grab! Aber nun gut. Schluss damit. Du weißt nun um mich bescheid...

Tu mir noch einen Gefallen und grüße irgendjemanden von mir. Du kannst den erst Besten oder sie alle grüßen - Ganz egal wer, hauptsache man hört noch von mir und glaubt, bei mir sei alles in Ordnung. Denn wer Grüße verteilt, scheint unbeschwert zu lebe, weil, lebt man ohne große Sorgen, denkt man oft an andere Menschen. Aber vielleicht spielt mir hier auch meine Einbildung einen Streich. Wer weiß...

mit wärmsten Grüßen:

T."



15.06.2011

Ein weiteres Zitat

"Ich habe so viel und die Empfindung an ihr verschlingt alles; ich habe so viel und ohne sie wird mir alles zu nichts."
-J. W. von Goethe, "Die Leiden des jungen Werthers"

31.05.2011

Menschen, die ich nicht verstehe

Ich verstehe Menschen nicht.
Also ich meine solche, die verwöhnt werden oder gar im Luxus schwelgen, sich dadurch Rechte einbilden, die sie eigentlich nicht besitzen, Pflichten und Grenzen verkennen, die sie respektieren müssten, die Welt einzig allein als Vergnügungsort ansehen, ohne einen Gedanken an die Sorgen der Zukunft zu verschwenden, immer bemüht das eigene Gemüt zu erheitern, so kurzfristig dies auch sein mag, verloren im Rausch der Emotionen und Eindrücke ohne Bezug auf die Realität, die bei weitem nicht so rosig aussieht, wie sie aus ihrer Sicht erscheint. Natürlich darf man aber nicht ständig an die Zukunft denken, alles streng rational und aus einem kritischen Blickwinkel betrachten, Vergnügungen zu Gunsten der Arbeit meiden, immer darauf aus sein sich fortzubilden und über Jahre und Jahrzehnte hinweg zu planen und zu organisieren, nur damit man die letzten Stunden des eigenen Lebens so verbringen kann, wie man es sich vorgestellt hat. 

Ich verstehe Menschen nicht, die sich ihrer Probleme nicht bewusst sind, die nicht wissen, warum sie streiten, immer auf ihr Recht beharren, ständig versuchen von sich und den eigenen Errungenschaften kund zu tun, nur um ein wenig Aufmerksamkeit zu erlangen in einer von Marken und Medien kontrollierte Welt, die kaum einen Funken an Individualität mehr zulässt, ohne dass man selbst als Außenseiter zum Rand der Gemeinschaft gedrängt wird. Gewiss darf man jedoch nicht immer nach Auslösern und Gründen suchen, sondern stets darum bemüht sein, das Problem an sich zu lösen. Natürlich muss man ab und zu auf sein Recht beharren, weil man sonst seinen Zielen und Vorstellungen nicht mehr gerecht wird und manchmal ist es auch egal wie tiefgreifend man von der eigenen Umwelt geprägt und kontrolliert wird, solange man sich seiner selbst, seinen Träumen, Idealen und Vorsätzen gerecht wird, solange man seine Meinung bedacht wählt und nicht sofort das ausspricht, was einem in den Sinn kommt, um ja nicht scheinbar den Anschluss an das Gespräch zu verlieren, welches leider meist nur dazu dient, mit seinem aus den verschiedenen, buntern Medien gesammelten Halbwissen zu protzen.

Ich verstehe Menschen nicht, die die Welt zu rosig sehen, sie mit einer Party verwechseln und alles Schlechte verdrängen oder auf die leichte Schulter nehmen. Aber ich verstehe auch diese Menschen nicht, die zu streng mit sich und dem Ganzen sind, die Welt in tiefsten Schwarz versinken sehen, das aller Schlimmste dem Gutem vorziehen und nur die Konflikte der Vergangenheit ergründen, ohne dabei die Probleme des Hier und Jetzt anzugehen. Menschen, die nur reden und beobachten, verstehe ich ebenso wenig wie Menschen, die blind und eifrig in den Kampf rennen und nicht mal einen Gedanken an den Grund verschwenden, warum sie in den Tod stürzen. Weiterhin kann ich nicht nachvollziehen, wieso Menschen nörgeln und meckern, aber nicht zur Tat schreiten, um die Missstände zu beheben; sich von Neid und Hass leiten lassen, die aber nicht zufrieden mit sich und ihren Fähigkeiten sind und mehr auf die Gefühle als auf die Vernunft hören.

Ich verstehe Menschen nicht, die ihr ganzes Leben nur ihr eigenen Wohlstand vermehren und keinen Blick den armen, hungernden und leidenden Menschen widmen, die den Rest der Welt bevölkern. Doch gleichzeitig kann ich mir nicht vorstellen, wie jemand sein ganzes Hab und Gut für die Menschen aufopfert, seine Kräfte und Zukunft allein für die Gemeinschaft verschwendet, ohne sich nach einem Dankeschön oder einer Wiedergutmachung zu sehnen.

Ja, ich verstehe so viele Menschen nicht, diese Extremen unserer Zeit. Die Gesellschaft und die Welt erscheinen mir fremd und rätselhaft wie ihre Beweggründe und Ziele. Aber letztendlich muss ich mir selbst eingestehen, dass ich meine Person selbst nicht immer nachvollziehen kann. Denn, auch wenn ich vieles kritisiere und in Frage stelle, finden einige dieser Dinge auch bei mir ihre Gültigkeit. Ich bin niemand Perfektes. Ich denke viel zu viel und sage viel zu wenig. Ich bin mir bei so vielen im Klaren und ändere doch wieder nichts. Neid und Selbstzweifel zerren an mir und ich komme einfach nicht gegen sie an. Ich scheue die Arbeit, mache mir Sorgen und lebe trotzdem vor mich hin, ohne mir zu überlegen, was ich werden will, ohne zu sehen, was ich eigentlich will und ohne zu wissen, welcher Sinn mein Leben eigentlich erfüllt. Manchmal kann man eben nicht über seine eigenen Schatten und Abgründe springen. Das heißt aber nicht, dass man sie nicht zu kennen oder zu beachten hat, da vielleicht ja eine Brücke über den Abgrund  führt oder ein Lichtschalter exestiert, der den finst'ren Schatten verwirft. Wenn nicht, dann sollte man sich einfach seines eigenen Verstandes bedieden* oder - und das möchte ich besonders den Menschen ans Herz legen, die ich nicht verstehe - sich nach folgendem Motto richten:

"Man muss stets sowohl der strengste, als auch der mildeste Richter seiner Person sein. Denn ist man zu milde mit sich, so verkennt man die Welt - doch ist man zu streng, so verkennt man sich selbst."



*kleine Anmerkung:
Falls hier jemand an Imanuel Kant denkt, hat richtig gedacht - wobei seine Übersetzung des lateinischen Satzes "sapere aude" sehr frei Übersetzt scheint. Viel mehr ist es eine Interpretation, als eine wörtliche Übersetzung, die folgendermaßen lauten müsste: "Sei mutig, weise zu sein!". Damit möchte ich nur ein allgemeiens Missverständnis aufdecken, bei dem sicherlich einige (vielleicht wenige) Lateinlehrer sich die  Haare raufen werden. Außerdem ist das eine kleine Anlehnung an Kants Essay "Was ist Aufklärung", dessen Inhalt zumindest Stellenweise bekannt sein sollten.

15.05.2011

Vom Leben eines Vogels, der nie fliegen konnte

Ein Vogel, der nie fliegen wird, ist einer, der nie den fernen Süden erreicht.

Ein Vogel der nicht fliegen kann ist der, der sich nach der  Ferne sehnt, die er nie erreichen wird.

Ein Vogel, gejagt von denen, die sich Raum und Zeit unterworfen haben, stirbt allein auf den Grund des Bodens; es war ein Vogel der nie fliegen konnte.

29.04.2011

Begegnung mit einem Gedanken

Vor ein paar Tagen saß ich im nahen Park auf einer verlassenden Bank, als zufällig ein wunderschöner Gedanke zu mir flog und sich auf meine Hand legte. Innerlich zuckte ich sofort zusammen und auch äußerlich wollte die Bewegung kommen. Doch zu meinem Glück erkannte ich schnell, dass es ein bezaubernder Gedanke war, der mich berührte. So hielt ich still.
Wartend, dass etwas passierte, musterte ich das zarte Geschöpf auf meiner Hand. Es war überzogen mit feinsten Linien und Zeichen. In einem langsamen Rhythmus hob sich sein Körper leicht an und senkte sich wieder.
Es atmete. Es lebte und es trug eine Botschaft.
Doch der Gedanke tat nichts weiteres, als sich auf meiner Hand auszuruhen. Um es seiner Botschaft zu entlocken, musste folglich die Initiative von mir ausgehen. Es war ein gewagtes Unterfangen, denn solche Gedanken der Schönheit galten als flüchtige Erscheinungen. Ein Fehler und die Idee in dem Wesen würde für mich in unerreichbare Ferne rücken.
Ich hatte auch schon seit langen versucht, auf einen so atemberaubenden Gedanken zu stoßen. Dabei hatte ich verschiedenste Dinge versucht, vom Anlocken mit Musik bis hin zur anstrengenden Jagd. Gefangen hatte ich jedoch nie eines dieser wundersamen Geschöpfe, nur diese häufigen Gedanken ohne wirklichen Sinn oder Nutzen.
Aber an jenem Tag sollten meine sämtlichen Bemühungen belohnt werden. Endlich war ich auf Tuchfühlung mit einem der schönsten Wesen des menschlichen Geistes. Einer Idee, so greifbar nah und doch noch so zerbrechlich, bis ich sie erkannt habe.
Ich verfiel der Schönheit des Gedanken bereits nur bei bloßer Betrachtung. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte mich seine wage Idee verzaubert. Ich wollte sie erlangen. Ich musste es, denn eine solche Chance würde sich mir bestimmt kein zweites Mal eröffnen.  
Wie hypnotisiert hob ich nun vorsichtig die Hand. Ich zitterte unter enormer Anspannung. Dabei handelte es sich bei diesen wundersamen Geschöpfen um schwerelose Gedanken. Sie bestanden nämlich nur aus reinster, flüchtiger Energie.
Die Anspannung stieg in mir mit jedem Zentimeter, den der Gedanke meinen Augen näher kam. Meine Hand begann unkontrolliert zu zittern. Doch diese verklemmten Bewegungen hielten sich im Argen.
Endlich sah ich das Geschöpf genau vor mir und all meine Ängste verschwanden mit einem Mal. Er war nur knapp zehn Zentimeter von meinen Augen entfernt. Ich spürte nun seinen Atem. Für einen Moment sah es zu mir. Dann durchfuhr irgendetwas meinen Körper. Alles um mich herum wurde ausgeblendet. Nur der Gedanke und ich im schwarzen Raum. Zwei Wesen, die von einander abhängig waren. Wir kamen uns näher, verbanden uns, wurden eins.
Für diesen einen Augenblick schien es, als ob der Gedanke in mich eingedrungen wäre. Dann aber spreizte es seine Flügel aus. Ich, losgerissen aus meiner Gedankenwelt, schrak hoch. Im nächsten Moment sah ich den Gedanken davon fliegen. Ich hatte ihn verschreckt.
Traurig sah ich der schwerelosen Schönheit nach, bis sie meiner Sicht entschwunden war. Wäre doch nur unsere Begegnung länger gewesen, dachte ich mir, so hätten wir uns beide verschmolzen und der Gedanke hätte letztendlich einen Funken in mir gesät. Aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass er dies schon längst getan hatte.