12.01.2011

Wie die Erde bestiegen wurde

Folgende Parabel ist schon ein wenig älter und im Kreis meiner Bekannten bereits hier und da gelesen worden. Hoffe, euch gefällt sie:

Ein junger Mann bestieg einst den Mond. Es war ein langer und steiniger Weg, doch seine Mühen wurden belohnt: Er erreichte den Mond; Und als er, auf dem höchsten Punkt angelangt, auf die kleine blaue Erde vor ihm hinabblickte, da überkam ihn ein seltsames Gefühl und er setzte sich. Er blieb dort lange sitzen. Kein Hunger, kein Durst vermochten ihn dazu sich zu erheben. So folgte Stunde auf Stunde, Tag auf Tag und der Mann verharrte unbeirrt an jener Stelle.
Des Mannes Erfolg blieb nicht lange unbemerkt. Es folgten bald weitere Menschen den harten, steinernen Weg jenes Mannes. Doch als sie auch den Mond erreichten und auf die Erde hinab blickten überkam auch sie jenes Gefühl und auch sie setzten sich schweigend hin. Es kamen immer mehr und mehr Menschen. Sie alle schauten hinab zur Erde und sie alle verspürten das selbe, sodass sie sich nieder liesen.
Schließlich kam auch der letzte Mensch auf dem Mond an. Er erblickte nun das Antlitz der Erde und auch er wollte sich setzten. Aber er fand keinen freien Platz mehr, denn der Mond war bereits vollkommen besetzt. Der letzte Mensch schlich daher umher, suchend und spähend nach einer freien Fläche. Doch seine Suche war vergebens und er blieb einfach stehen, in der Hoffnung jemand würde ihm helfen.
Nun stand jener junger Mann für den letzten Menschen auf und nahm dessen Platz als Suchender ein. Er suchte jedoch nicht nach einem Ort zum Setzen, er suchte nach einem neuen Ziel, welches zu erreichen es sich lohnte. So beschloss unser Mann schließlich den Rückweg anzutreten und trat daher als erster den langen und steinernen Weg an, die Erde zu besteigen.

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