22.03.2011

Was einem am Leben hält

Oh Welt, oh Welt, wie fürchterlich,
Seit Ihr in meinem Angesicht?
So dreckig, blump, so kahl und leer,
Der Tränen Schmerz, ein Trümmermeer.

Wo Leid und Qualen sich vereinen,
Und Ziel und Traum sich mir verweigern,
Was will ich da an diesem Ort?
Drum lasst mich geh'n, drum lasst mich fort.

Aber halt! Es ist auch meine Welt, 
Die hier vor mir zu Grunde geht.
Warum sollt' ich daher vor ihr flieh'n,
Wenn sie doch eigentlich zum Leben dient?

Und verdanke ich nicht meinen Fehlern,
Dass Schatten mein zartes Glück nun schmälern,
Dass die Säulen meiner Welt zerbrechen,
Und Wolken mir das Licht verdecken?

Oh Welt, oh Welt, was soll ich tun?
Könnt Ihr nicht in Frieden ruh`n?
Die Verantwortung ist eine schwere Last,
Und nicht zu tragen ganz ohne Kraft.

Es fehlt mir Mut und es fehlt das Licht,
Um zu verhindern, dass Ihr bald zerbricht.
Verzeiht mir daher, dass ich nun schon geh',
Denn ich will Euch nicht beim Sterben seh'n.

Aber ein Problem wird es für mich dennoch geben, 
Denn versteht: ohne das Licht kann ich nicht leben.
So muss ich gestehen, dass ich doch noch bleibe,
Und somit versuche, Euch schnell zu heilen.


11.03.2011

An einer Weggabelung

Er hatte eine Entscheidung zu fällen.
Der alte Herr, welcher sein ganzes Leben lang damit verbracht hatte, Befehle anzunehmen und auszuführen, stand nun vor einer Weggabelung und vor der Wahl einer Richtung.
Einige Tage zuvor hatte man ihn aus den Diensten entlassen, was dem alten Herren gar nicht gefallen hatte. Er wisse nicht, wohin er gehen solle, gab er seinem Arbeitgeber zu bedenken. Er wisse doch nicht, was er sein ganzes Leben noch machen solle! Doch sein Arbeitgeber blieb stur. Denn der Herr war alt geworden. Zu alt, als dass er seine Aufgaben noch korrekt ausführen könnte. Trotzdem half er dem alten Herrn bei dem Finden seines neuen Lebens. Er zeigte ihm einen Weg, der über Kilometer und Kilometer einfach geradeaus führte. Diesem Weg solle er folgen, war sein letzter Befehl und diesem Befehl befolgte der alte Herr über Tage hinweg.
Aber nun traf er auf diese eine Weggabelung, die auf einmal in zwei komplett verschiedene Richtungen führte. Für viele andere, die ihren Weg bereits kannten oder das Problem von weiten her erkannt hatten und eine Lösung erarbeiteten, noch bevor sie an der Weggabelung  ankamen, stellte diese kein wirkliches Hindernis mehr dar. Doch für den alten Herrn hatte sie einschneidende Folgen. Denn, obwohl es ihm nicht bewusst war, entflammte in ihm ein Gedankenkonflikt. Zum ersten Mal durfte und musste er eine Entscheidung treffen und dabei behielt er stets den letzten Befehl seines ehemaligen Arbeitgeber im Gedächtnis, welchen er noch nicht vollständig ausgeführt zu haben glaubte.
Es ist jedoch egal, wie sein innerlicher Konflikt ausging. Am Ende der Umwälzung seiner Welt stand eine Entscheidung, die er alleine zu treffen hatte. Bis dahin würde er die ganze Zeit an der Weggabelung stehen und nachdenken.

04.03.2011

Brief an einen Unbekannten (zur Liebe)

Hier einer von mehreren Briefe, die "an einen Unbekannten" adressiert waren. Über den Verfasser ist nichts bekannt, außer das wenige, was er in seinen Briefen schildert.


"Sehr geehrter Unbekannter, 

Wo soll ich blos anfangen? Womit sollte ich beginnen? Was soll ich sagen? Worüber sollte ich schweigen? Ich weiß es nicht, habe ich nie und ich werde es wohl nie wissen. Daher fang ich einfach mit dem an, was mir auf dem Herzen liegt:

Kennen Sie Liebe?
Bestimmt wissen sie sehr wohl, was Liebe ist. Diese Erfahrung, die jeder einmal in seinem Leben gemacht haben muss, die Inspiration von unzähligen Künstlern und Schriftstellern, Freud und Leid des Herzens. Sie ist so einzigartig, so beflügelnd, so...  kompliziert.
Ja, Sie lesen richtig: kompliziert. Und diese Komplexität lastet schwer auf meiner Seele, wobei letztendlich nur die Sehnsucht meine Betrübnis ausmacht. Doch was soll ich machen? Wie soll ich handeln, damit mein Leiden gelindert werden kann?
Natürlich würden Sie nun sagen, dass der Schlüssel all meiner Depressionen bei ihr läge. Denn sie ist für mich wie der einzige Stern an einem wolkenverhangenen Nachthimmel oder wie das Licht am Horizont einer finsteren Welt. So viel Bedeutung trage ich ihr zu, ohne sie dabei zu kennen. Und darin liegt diese Kompliziertheit meiner Lage.
Sie verstehen das wohl nicht. Müssen Sie auch nicht. Das kann niemand so recht, nicht mal ich. Sagen wir es mal so: Ich bin nicht jemand, der viele Worte verliert, auch wenn ich mir manchmal wünschte, es zu können. Desinteresse würde ich es nicht nennen, was mich zu meiner Introvertiertheit verleitet. Viel mehr scheint es eine Angst zu sein, unbewusst, für meinen Verstand kaum greifbar. Eine Angst vor Nähe und Momenten der Verwundbarkeit. Das Schlimmste an ihr jedoch ist, dass sie mich einengt. Ja, diese Angst schafft es, sogar mich zu kontrollieren und mich von meiner Außenwelt abzukapseln.
Das zweite meiner Probleme ist der fehlende Mut. Es wird scheinbar mit meinem ersten Problem zusammenhängen. Aber es muss mehr dahinter stecken, als nur jene unbewusste Angst. Denn mein Herz und mein Verstand wissen um mich bescheid. Sie spüren die finstre Last und sie kennen die Lösung: Das Licht. 
Gewiss, ich habe mich nie als "mutig" bezeichnet. Ich war stets ein Beobachter, der um das Leben stand und dies nicht ein Mal in forderster Reihe! Wie kann ich da zu einem Akteur werden und mich in den Mittelpunkt einer Welt stellen, welche ich nicht kenne, und ich soetwas noch nie geleistet habe? Das also, geehrter Unbekannter, ist meine zweite Angst: die Zukunft.
Das letzte und das bedeutsamste Problem zugleich, was meine Liebe zu ihr so kompliziert macht, besteht darin, dass ich nicht weiß, was sie über mich denkt und was sie fühlt. Klar, niemand kann sagen, was in den Köpfen anderer vorgeht und man sollte das auch nicht können. Aber ich seh nur das Licht am fernen Horizont, die Weite, die zwischen uns beiden liegt und sonst nichts. Ich hatte nie sorecht ein Zeichen bekommen, aus dem ich genügend Mut beziehen hätte können - und wenn, dann muss ich wohl gestehen, sie entweder übersehen zu haben oder dass ich doch zu ängstlich war, um die damit verbundene Chance zu nutzen.
Vielleicht ist es jedoch so, dass das Licht gar nicht mehr für mich scheint. Vielleicht ist meine Chance bei ihr längst verwelkt... Aber vielleicht auch nicht! Wegen diesen einen einzigen Gedanken schlägt mein Herz immer noch weiter und für sie.

Nun gut... ich hoffe, dass ich Sie nicht allzusehr mit meinen Sorgen belastet habe. Mir ist bewusst, dass Sie mich nicht kennen. Deswegen glaube ich kaum, dass Sie mir antworten werden. Aber wenn doch auf wundersamer Weise eine Antwort käme, würde sie mir trotzdem nichts nützen. Denn darin stände nur das, was mir bereits von anderen Menschen an anderer Stelle geraten worden wäre. So ist es nun mal: Für ein Problem gibt es nur wenige Lösungen, besonders in meiner Lage und vor allem im Bezug auf die Liebe.
"Mehr Mut! Mehr Mut!", wird hierbei stets gefordert. Aber woher soll die Kraft entnommen werden, die uns dazu antreibt, die Grenzen unserer selbst zu überwinden?

In der Hoffnung, dass Sie den Brief erhalten und gelesen haben:

T."