04.03.2011

Brief an einen Unbekannten (zur Liebe)

Hier einer von mehreren Briefe, die "an einen Unbekannten" adressiert waren. Über den Verfasser ist nichts bekannt, außer das wenige, was er in seinen Briefen schildert.


"Sehr geehrter Unbekannter, 

Wo soll ich blos anfangen? Womit sollte ich beginnen? Was soll ich sagen? Worüber sollte ich schweigen? Ich weiß es nicht, habe ich nie und ich werde es wohl nie wissen. Daher fang ich einfach mit dem an, was mir auf dem Herzen liegt:

Kennen Sie Liebe?
Bestimmt wissen sie sehr wohl, was Liebe ist. Diese Erfahrung, die jeder einmal in seinem Leben gemacht haben muss, die Inspiration von unzähligen Künstlern und Schriftstellern, Freud und Leid des Herzens. Sie ist so einzigartig, so beflügelnd, so...  kompliziert.
Ja, Sie lesen richtig: kompliziert. Und diese Komplexität lastet schwer auf meiner Seele, wobei letztendlich nur die Sehnsucht meine Betrübnis ausmacht. Doch was soll ich machen? Wie soll ich handeln, damit mein Leiden gelindert werden kann?
Natürlich würden Sie nun sagen, dass der Schlüssel all meiner Depressionen bei ihr läge. Denn sie ist für mich wie der einzige Stern an einem wolkenverhangenen Nachthimmel oder wie das Licht am Horizont einer finsteren Welt. So viel Bedeutung trage ich ihr zu, ohne sie dabei zu kennen. Und darin liegt diese Kompliziertheit meiner Lage.
Sie verstehen das wohl nicht. Müssen Sie auch nicht. Das kann niemand so recht, nicht mal ich. Sagen wir es mal so: Ich bin nicht jemand, der viele Worte verliert, auch wenn ich mir manchmal wünschte, es zu können. Desinteresse würde ich es nicht nennen, was mich zu meiner Introvertiertheit verleitet. Viel mehr scheint es eine Angst zu sein, unbewusst, für meinen Verstand kaum greifbar. Eine Angst vor Nähe und Momenten der Verwundbarkeit. Das Schlimmste an ihr jedoch ist, dass sie mich einengt. Ja, diese Angst schafft es, sogar mich zu kontrollieren und mich von meiner Außenwelt abzukapseln.
Das zweite meiner Probleme ist der fehlende Mut. Es wird scheinbar mit meinem ersten Problem zusammenhängen. Aber es muss mehr dahinter stecken, als nur jene unbewusste Angst. Denn mein Herz und mein Verstand wissen um mich bescheid. Sie spüren die finstre Last und sie kennen die Lösung: Das Licht. 
Gewiss, ich habe mich nie als "mutig" bezeichnet. Ich war stets ein Beobachter, der um das Leben stand und dies nicht ein Mal in forderster Reihe! Wie kann ich da zu einem Akteur werden und mich in den Mittelpunkt einer Welt stellen, welche ich nicht kenne, und ich soetwas noch nie geleistet habe? Das also, geehrter Unbekannter, ist meine zweite Angst: die Zukunft.
Das letzte und das bedeutsamste Problem zugleich, was meine Liebe zu ihr so kompliziert macht, besteht darin, dass ich nicht weiß, was sie über mich denkt und was sie fühlt. Klar, niemand kann sagen, was in den Köpfen anderer vorgeht und man sollte das auch nicht können. Aber ich seh nur das Licht am fernen Horizont, die Weite, die zwischen uns beiden liegt und sonst nichts. Ich hatte nie sorecht ein Zeichen bekommen, aus dem ich genügend Mut beziehen hätte können - und wenn, dann muss ich wohl gestehen, sie entweder übersehen zu haben oder dass ich doch zu ängstlich war, um die damit verbundene Chance zu nutzen.
Vielleicht ist es jedoch so, dass das Licht gar nicht mehr für mich scheint. Vielleicht ist meine Chance bei ihr längst verwelkt... Aber vielleicht auch nicht! Wegen diesen einen einzigen Gedanken schlägt mein Herz immer noch weiter und für sie.

Nun gut... ich hoffe, dass ich Sie nicht allzusehr mit meinen Sorgen belastet habe. Mir ist bewusst, dass Sie mich nicht kennen. Deswegen glaube ich kaum, dass Sie mir antworten werden. Aber wenn doch auf wundersamer Weise eine Antwort käme, würde sie mir trotzdem nichts nützen. Denn darin stände nur das, was mir bereits von anderen Menschen an anderer Stelle geraten worden wäre. So ist es nun mal: Für ein Problem gibt es nur wenige Lösungen, besonders in meiner Lage und vor allem im Bezug auf die Liebe.
"Mehr Mut! Mehr Mut!", wird hierbei stets gefordert. Aber woher soll die Kraft entnommen werden, die uns dazu antreibt, die Grenzen unserer selbst zu überwinden?

In der Hoffnung, dass Sie den Brief erhalten und gelesen haben:

T."

2 Kommentare:

  1. Hey.
    Cooles Blog. :)
    Kann man dir auch folgen oder willst du das nicht ;)

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  2. Schön, dass es dir gefällt :)

    Zum schockierenden Problem, dass man mir nicht folgen kann:
    Web-Feeds habe ich gerade wieder aktiviert. Keine Ahnung, warum die deaktiviert waren... musst nur mal schauen, wo der Link zum Abonnieren ist. Ich kenn mich da übrigens nicht wirklich aus.

    Falls du die "Regelmäßig Lesen" Funktion meinst, die nur für blogger.com Nutzer geht, musst du dich erst mit deinem Acc. einloggen, da ich dieses eine Gadget noch nicht einbauen wollte. Die Funktion taucht dann in der obersten Leiste auf.

    Ansonsten geht noch Twitter :P

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