11.03.2011

An einer Weggabelung

Er hatte eine Entscheidung zu fällen.
Der alte Herr, welcher sein ganzes Leben lang damit verbracht hatte, Befehle anzunehmen und auszuführen, stand nun vor einer Weggabelung und vor der Wahl einer Richtung.
Einige Tage zuvor hatte man ihn aus den Diensten entlassen, was dem alten Herren gar nicht gefallen hatte. Er wisse nicht, wohin er gehen solle, gab er seinem Arbeitgeber zu bedenken. Er wisse doch nicht, was er sein ganzes Leben noch machen solle! Doch sein Arbeitgeber blieb stur. Denn der Herr war alt geworden. Zu alt, als dass er seine Aufgaben noch korrekt ausführen könnte. Trotzdem half er dem alten Herrn bei dem Finden seines neuen Lebens. Er zeigte ihm einen Weg, der über Kilometer und Kilometer einfach geradeaus führte. Diesem Weg solle er folgen, war sein letzter Befehl und diesem Befehl befolgte der alte Herr über Tage hinweg.
Aber nun traf er auf diese eine Weggabelung, die auf einmal in zwei komplett verschiedene Richtungen führte. Für viele andere, die ihren Weg bereits kannten oder das Problem von weiten her erkannt hatten und eine Lösung erarbeiteten, noch bevor sie an der Weggabelung  ankamen, stellte diese kein wirkliches Hindernis mehr dar. Doch für den alten Herrn hatte sie einschneidende Folgen. Denn, obwohl es ihm nicht bewusst war, entflammte in ihm ein Gedankenkonflikt. Zum ersten Mal durfte und musste er eine Entscheidung treffen und dabei behielt er stets den letzten Befehl seines ehemaligen Arbeitgeber im Gedächtnis, welchen er noch nicht vollständig ausgeführt zu haben glaubte.
Es ist jedoch egal, wie sein innerlicher Konflikt ausging. Am Ende der Umwälzung seiner Welt stand eine Entscheidung, die er alleine zu treffen hatte. Bis dahin würde er die ganze Zeit an der Weggabelung stehen und nachdenken.

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