22.01.2012

So ein Bild

Dann ist da so ein Bild im Internet. Genauer gesagt in Facebook, Twitter oder Google+. Man weiß nicht woher er stammt, was zuvor geschehen ist und wer, was, wie, wo an dessen Entstehung beteiligt war. Man sieht nur diese eine Momentaufnahme und ist gerührt, verbittert oder sehr wütend. Vielleicht auch belustigt, aber meistens empört und am Nachdenken. Denn in diesem Bild steckt viel dahinter. Mehr als tausend Worte. Aber eigentlich sind da keine Worte, sondern viele tausende Pixel. Und auch wenn dort Worte und Gedanken vermittelt werden (nicht nur durch den Untertitel), weiß man dennoch nicht, ob sich hinter manchen dieser Aussagen Übetreibungen verstecken oder man darin gar eine Lüge findet. 

Man sieht das Bild, ist gerührt oder erregt und liked, favt, kommentiert oder drückt den +1 Button. Manchmal teilt oder retweetet man die Abbildung für die eigenen Kreise, Follower und Freunden. Man denkt sich: "Wie traurig!" Oder: "Boah diese Schweine! Wie kann man einem hilflosen Wesen bloss so etwas antun?"  Doch dann vergisst man das Bild meistens wieder bzw. seine Botschaft und lebt wieder fröhlich vor sich hin. Bis das nächste Bild auftaucht, von dem man nicht weiß, woher es stammt und welcher Handlung es eigentlich zu Grunde liegt, ob es nur gestellt ist oder sogar bearbeitet wurde. Aber das alles scheint egal, solange die Aussage dahinter reine Gefühlssache ist.

14.01.2012

C. Lauer

Aus der Rede Christopher Lauers vom 12.1.2012 zur Regierungserklärung Klaus Wowereits, der Regierende Bürgermeister Berlins:

"(...) Sie [Wowereit] haben heute verkündet, was in den nächsten fünf Jahren passieren soll. Wie wird es passieren? Durch Gesetze. Wer beschließt diese Gesetze? Dieses Haus. Aber: Wo werden diese Gesetze geschrieben? Wer von den hier anwesenden Abgeordneten ist denn Herr oder Frau Referentenentwurf? Wo sitzt denn der Referent? Der sitzt in der Verwaltung. Es ist traurige Realität, dass dieses Haus seiner Verfassungsmäßigen Aufgabe, Gesetze aus seiner Mitte entstehen zu lassen, nicht mehr nachkommt. Die traurige Realität wird es sein, dass jede Änderung in den nächsten fünf Jahren aus dem Senat kommen und in diesem Haus von Seiten der Koalition mal mehr, mal weniger Zähneknirschend abgenickt werden wird. Und die Opposition wird schreien. Und die Opposition wird Vorschläge machen und die Koalition wird schreien. Und hier spreche ich explizit die Hinterbänkler in den Fraktionen an: Habt ihr euch das so vorgestellt, ist es euch das Wert? Fünf Jahre lang das abzunicken was Herr oder Frau Referentenentwurf in irgendeiner Senatsverwaltung geschrieben haben? 
Das Freie Mandat, verfassungsmäßig verankert, wird im Abgeordnetenhaus von Berlin Woche um Woche zur Makulatur. Wer hat denn hier noch das Rückgrat, seiner Fraktion öffentlich zu widersprechen? 

Dieses Unterordnen unter die Fraktion, die sich wiederum dem Senat unterordnet, das ist eine Gefahr für die Demokratie. Wenn wir hier von den Gefahren des Lobbyismus und mehr Transparenz im Haus sprechen, dann verkennen wir, dass der Lobbyist zu demjenigen geht, der das Gesetz schreibt und nicht etwa zu dem, der das Gesetz nur noch abzunicken hat. Es finden in diesem Haus keine Debatten mehr statt, sondern ein auf Koalition und Opposition verteiltes Kasperletheater. Es findet eine Machtkonzentration auf den Senat statt, die nicht gesund ist. Angesichts der Herausforderungen, vor der die Stadt Berlin steht ist es bemerkenswert, dass wir als Parlamentarier, die lediglich ihrem Gewissen verpflichtet sind, uns so etwas gefallen lassen. (...)"

Die komplette Rede kann man hier nachlesen.
Das Video zur Rede findet sich auf Youtube.