Eine Fabel von Franz Kafka.
„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du mußt nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.
28.05.2012
24.05.2012
Illusionen
Die Gedanken driften hin und her
in meinem Kopf - so furchtbar laut
zerfällt das Bild von dir und mir
für alle Ewigkeit zu Staub.
Dennoch halten meine Hände
weiter fest, was wir einst war'n.
Denn: sobald diese Trümmer schwinden,
sieht mein Herz endgültig klar,
dass deine zarten Lippen, Liebste,
deinen Atem und deine Haut
ich niemals habe spüren können -
außer vielleicht in meinem Traum.
in meinem Kopf - so furchtbar laut
zerfällt das Bild von dir und mir
für alle Ewigkeit zu Staub.
Dennoch halten meine Hände
weiter fest, was wir einst war'n.
Denn: sobald diese Trümmer schwinden,
sieht mein Herz endgültig klar,
dass deine zarten Lippen, Liebste,
deinen Atem und deine Haut
ich niemals habe spüren können -
außer vielleicht in meinem Traum.
06.05.2012
Tote Bäume
Eine alte, schwarze Kutsche durchquerte die trostlose Landschaft. Abgestorbene Bäume, die sichscheinbar unter großen Schmerzen zu grotesken Figuren gekrümmt haben, säumten vereinzelt den verschlampten Pfad, während Dunkelheit und starker Regenfall die Sicht auf wenige Meter begrenzten. Da der Kutsche ein Verdeck fehlte, waren die Insassen klatsch nass. Es handelte sich bei diesen um drei verschiedeneMänner: Zunächst ein unbedeutener Kutscher, dann Darwin Hecker, ein junger, magerer Mann, und schließlich ihm gegenüber sitzend der knapp vierzigjährige Marinelli zu Krischhöfen. Sie waren in Regenmänteln umhüllt, welche jedoch dem Anhaltenden Schauer nicht lange stand gehalten haben. Dem Kutscher machte dies am wenigstens aus, im Gegensatz zu Marinelli, welcher aufgrund des zusätzlich kalten Windes am ganzen Leib zitterte. Darwin hingegen lag, die Arme hinterdem Kopf verschränkt, gelassen auf seiner Sitzbank und starrte gedankenverloren ins tiefe Schwarz.
"Verdammter Regen", fluchte Marinelli schon zum wiederholten Male und zog trotzig seinen Regenmantel zurecht. "Wir hätten eine andere Kutsche nehmen sollen."
"Wer hätte geahnt, dass es regnen wird?" Außerdem war diese hier billiger."
"Eine andere wäre jedenfalls bedacht gewesen!"
"Aber gleichzeitig auch teurer."
Er schaute hinauf zum zusammengekauerten Marinelli. Dessen Lippen hatte einen schwachen, bläulichen Teint angenommen. Hämisch grinsen. Es erzeugte bei seinem Gegenüber ein verärgertes Nasenrümpfen.
"Jetzt grinst du noch, Hecker. Aber wenn du eine Erkältung bekomme, dann -"
"Sowas wird nicht passieren!"
"Und wenn doch?"
Darwin antwortete im nicht, sondern schaute wieder mit nun ernstem Blick in den finsteren Himmel. Es folgte ein längeres Schweigen, sodass Marinelli in dieser Zeit den jüngeren Mann nachdenklich. Dabei fielen ihm besonders Darwins ausdruckslose - ja fast toten - Augen auf, die zu seinen wenigen jugendlichen Gesichtszügen in einem grotesken Kontrast standen. Dieser wurde umso größer, je mehr sich Marinelli an die Zeit vor vier Jahren erinnerte. Damals hatte er die typsichen Augen eines jungen Visionäres besessen - voller Energie und Begeisterung.
"Bist du nun zufrieden?", fragte auf einmal Darwin, als ob er Marinellis Gedanken mitverfolgt hatte, und riss diesen damit aus den Gedanken. Erschreckt wollte er zunächst nachfragen, was Darwin meinte, bis ihm im zweiten Moment zu seiner Erleichterung selbst auffiel: Es hatte aufghört zu regnen.
"Etwas", antwortete Marinelli dem jungen Mann zögerliche und, um die Atmosphäre für sich etwas zu lockern, fügte er mit einem ironischen Unterton hinzu: "Ein wenig Sonne wäre aber noch angenehm."
Beide lachten daraufhin. Aber die traurige Realität trieb es ihnen gleich wieder aus. Damit entstand auch ein bedrückenes Schweigen, welches eine Weile hielt, bis Darwin schließlich erneut die Konversation aufgriff: "Die Sonne hat schon seit Jahrzehnten nicht mehr geschienen."
"23 Jahre, um genau zu sein."
Beide lachten daraufhin. Aber die traurige Realität trieb es ihnen gleich wieder aus. Damit entstand auch ein bedrückenes Schweigen, welches eine Weile hielt, bis Darwin schließlich erneut die Konversation aufgriff: "Die Sonne hat schon seit Jahrzehnten nicht mehr geschienen."
"23 Jahre, um genau zu sein."
"Dann hast du sie ja noch gesehen!"
"Ja - ich weiß noch, wie ich damals als kleiner Junge, wann immer die Sonne geschienen hat, in den Gartenanlagen meiner Familie gespielt habe, oft stundenlang."
"Und wie war sie?"
"Die Sonne? Das weiß ich leider nicht mehr. Als Kind nimmt man sie beim Spielen kaum wahr und als Jugendlicher hatte man anderes im Kopf, von dem man dachte, dass es wichtiger sei."
Marinelli schaute nun auch in den Himmel hinauf. Er machte einen betrübten Eindruck. Darwin lenkte seine Blicke jedoch wieder auf sich, indem er neugierig fragte, ob er sie vermisse.
"Ich willsie gerne noch ein mal spüren, selbst wenn es meinen letzten Atemzug kosten würde."
Er atmete schwer aus, so als ob er das gesagte nachempfand. Dann gab er ein leises "Und du?" von sich, da er ihre Unterhaltung nicht wieder in einem bedrückenden Schweigen münden lassen wollte. Der junge Mann tat sich jedoch schwer damit, ihm eine Antwort zu geben. Minuten lang vergingen, ohne dass ein Wort viel.
Er atmete schwer aus, so als ob er das gesagte nachempfand. Dann gab er ein leises "Und du?" von sich, da er ihre Unterhaltung nicht wieder in einem bedrückenden Schweigen münden lassen wollte. Der junge Mann tat sich jedoch schwer damit, ihm eine Antwort zu geben. Minuten lang vergingen, ohne dass ein Wort viel.
"Die Menschen vermissen alle die Sonne", meinte Darwin endlich, als sich Marinelli gerade enttäuscht von ihm abwenden wollte, "aber seltsamerweise klagt niemand über das Fehlen des Mondes", und mit mehr Nachdruck erklärte er weiter: "Schau mich an, Marinelli - ich bin 24. Ich habe keine Ahnung, wie sich die Sonne anfühlt, geschweige denn wie sie aussieht." Eine kleine Pause trat ein, in der Marinelli bedacht schwieg.
"Der Mond - es gibt tausende Gedichte über ihn von Poeten, die die Schönheit des wolkenlosen Nachthimmels mit eigenen Augen (und Verstand) gesehen haben. Doch wie viele Gedichte existieren über die Sonne? Nein, Marinelli, ich vermisse die Sone nicht. Nicht so sehr, wie ich mich Nachts nach dem Mond sehne, wenn ich sein Licht wage hinter der Wolkendecke schimmern sehe."
Darwin, der sich bei dieser emotional angehauchten Ansprache aufgerichtet hatte, schaute Marinelli erwartungsvoll an, als ob er eine Bestätigung für seine Sehnsucht benötigte. Sein Gegenüber nickte nur verständlich, was dem jungen Mann scheinbar befriedigte. Denn er legte sich wieder auf die Sitzbank, verschrenkte die Arme hinter dem Kopf und starrte hinauf ins Schwarz.
Um sie herum säumten weiterhin tote Bäume den vom Regen aufgeweichten Weg.
Anmerkung: Bei dem Text handelt es sich um einen bearbeiteten Ausschnitt aus einer längeren Geschichte, an der ich gerade verstärkt arbeite. Daher erscheint manches vielleicht etwas fragwürdig.
Anmerkung: Bei dem Text handelt es sich um einen bearbeiteten Ausschnitt aus einer längeren Geschichte, an der ich gerade verstärkt arbeite. Daher erscheint manches vielleicht etwas fragwürdig.
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