Irgendwann ist der Tag gekommen, an dem du nicht mehr die Kraft besitzt, weiterzukämpfen. Dann wirst du aus deiner elenden Schwäche heraus dich hilfesuchend an irgendjemanden wenden. Doch diese Person wird wie der Schutzmann in einer Parabel Kafkas ein "Gib's auf!" von sich geben. In diesem Augenblick bist du dem Untergang geweiht.
23.06.2012
15.06.2012
Das Testament für den Sohn
Längst hatte der alte Mann im Bett seinen letzten Atemzug getan, als sein jüngster Sohn vorsichtig das Zimmer betrat. Aber statt mit Schrecken den leblosen Körper seines Vater zu erblicken, schlich sich ein ein Grinsen in sein Gesicht. Dem Toten hatte er nur ein "Na endlich" zu sagen, welches er in seiner immer größer werdenden Heiterkeit unaufhörlich wiederholte: "Na endlich. Na endlich. Na endlich."
Der Mann begann im gleichen Takt, wie er das herzlose Mantra vor sich hinmurmelte, in dem Zimmer auf und ab zu gehen. Die Blicke streiften umher. Sie suchten die Einrichtung nach einem kleinen Couvert ab, in dem der letzte Wille des Verstorbenen niedergeschrieben war. Aber weil er mit dieser ersten oberflächigen Methode nicht erflogreich war, intensivierte er daraufhin seine Suche. Er widmete sich erst dem Schreibtisch des Alten. Jedes Fach wurde schrittweise durchwühlt. Danach trieb es ihn zu den Wertsachen, Regalen, Kleiderschränke. Selbst unter dem Kopfkissen des Toten traute er sich nachzusehen. Aber er der große Fund blieb aus. Er schwenkte noch einmal zum Schreibtisch. Allmählich begann er nervös zu werden. Seine Mutter müsste bald nach Hause kommen. Dann hätte er keine Gelegenheit das Testament des Vaters zu seinen Gunsten zu verändern.
Statt jedoch das Gesuchte zu finden, bemerkte der Sohn ein anderes Couvert. Dessen Anblick lies ihn blass werden. Auf dem Umschlag stand, in der schnörkelhaften Schrift des Vaters, sein eigener Name darauf. Der Fund war ein furchtbarer Schreckmoment für ihn gewesen. Mag sein, dass es nur ein Scherz des Zufalls gewesen war, aber in diesen einen Augenblick hatte er das Gefühl, dass es sich bei dem Brief um eine Nachricht aus dem Totenreich handelte.
Das gesuchte Testament schien jedenfalls für den Moment vergessen zu sein. Der Mann ergriff den an ihn adressierten Brief und öffnete ihn langsam. Mit zitternder Hand entnahm er einen kleinen Zettel. Es standen nur ein paar Sätze darauf. Aber nachdem er sie gelesen hatte, verlies er beschämt und niedergeschlagen das Haus der Eltern. Die Worte besaßen nämlich sehr viel Gewicht: Sie stellten klar, dass der Vater von dem Vorhaben des Sohnes gewusst und daher Vorkehrungen getroffen hatte, damit dieser nicht den gesamten Nachlass an sich reißen konnte.
Der junge Mann war also gescheitert. Ihm blieb nichts anderes übrig, als die Familie zu verlassen. Mit dabei hatte er nur jenen Brief von seinem Vater. Es war dessen Testament für den habgierigen Sohn.
Der Mann begann im gleichen Takt, wie er das herzlose Mantra vor sich hinmurmelte, in dem Zimmer auf und ab zu gehen. Die Blicke streiften umher. Sie suchten die Einrichtung nach einem kleinen Couvert ab, in dem der letzte Wille des Verstorbenen niedergeschrieben war. Aber weil er mit dieser ersten oberflächigen Methode nicht erflogreich war, intensivierte er daraufhin seine Suche. Er widmete sich erst dem Schreibtisch des Alten. Jedes Fach wurde schrittweise durchwühlt. Danach trieb es ihn zu den Wertsachen, Regalen, Kleiderschränke. Selbst unter dem Kopfkissen des Toten traute er sich nachzusehen. Aber er der große Fund blieb aus. Er schwenkte noch einmal zum Schreibtisch. Allmählich begann er nervös zu werden. Seine Mutter müsste bald nach Hause kommen. Dann hätte er keine Gelegenheit das Testament des Vaters zu seinen Gunsten zu verändern.
Statt jedoch das Gesuchte zu finden, bemerkte der Sohn ein anderes Couvert. Dessen Anblick lies ihn blass werden. Auf dem Umschlag stand, in der schnörkelhaften Schrift des Vaters, sein eigener Name darauf. Der Fund war ein furchtbarer Schreckmoment für ihn gewesen. Mag sein, dass es nur ein Scherz des Zufalls gewesen war, aber in diesen einen Augenblick hatte er das Gefühl, dass es sich bei dem Brief um eine Nachricht aus dem Totenreich handelte.
Das gesuchte Testament schien jedenfalls für den Moment vergessen zu sein. Der Mann ergriff den an ihn adressierten Brief und öffnete ihn langsam. Mit zitternder Hand entnahm er einen kleinen Zettel. Es standen nur ein paar Sätze darauf. Aber nachdem er sie gelesen hatte, verlies er beschämt und niedergeschlagen das Haus der Eltern. Die Worte besaßen nämlich sehr viel Gewicht: Sie stellten klar, dass der Vater von dem Vorhaben des Sohnes gewusst und daher Vorkehrungen getroffen hatte, damit dieser nicht den gesamten Nachlass an sich reißen konnte.
Der junge Mann war also gescheitert. Ihm blieb nichts anderes übrig, als die Familie zu verlassen. Mit dabei hatte er nur jenen Brief von seinem Vater. Es war dessen Testament für den habgierigen Sohn.
02.06.2012
Zwischen uns
Zwischen uns stand eine Wand. Sie war zwar nur aus Glas, dennoch tat sie ihr bestes, um uns zu trennen. Trotz allem standen wir uns nahe - Schulter an Scheibe an Schulter - und blickten die, vor unseren Füßen liegende Felsenklippe hinab, an welcher wilde Wellen in Sekundentakt geräuschlos brandeten.
Ich hörte deinen langsamen Atem in meinem Ohr, wie er meinen Verstand vernebelte und mich mit jedem Zug mehr wahnsinnig machte. Am liebsten hätte ich die Wand zwischen uns zerstört. Aber ich hatte Angst, dass uns die Glasscherben verletzen könnten - und sowieso besaß ich nicht die Kraft dazu, Grenzen einzureißen.
Wir standen also wie angewurzelt da, nah beieinander und trotzdem getrennt. Du begannst allmählich mit deinen Armen zu pendeln. Es war nur eine kleine, zaghafte Bewegung. Doch ich sah sie aus den Augenwinkel, von wo aus ich dich stets beobachtet hatte. Man sah dir deine innerliche Unruhe an. Du wurdest ungeduldig. Etwas drängte dich zum Handeln. Da blicktest du einfach zu mir herüber. Ich zuckte innerlich, regte mich aber äußerlich nicht. Das Glas würde zerspringen, wenn sich unsere Blicke kreuzten, befürchtete ich nämlich, ohne daran zu denken, welche Brücken Augenkontakte schlagen können.
So wandest du dich schließlich enttäuscht ab von mir und der Klippe und suchtest einen anderen Weg. Für einen kurzen Moment schaute ich dir nach. Ich erkannte meinen albernen Fehler und ging auch, jedoch in die entgegengesetzte Richtung.
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