15.09.2012

Das im Westen

Ein Lumpenpack, hätte man meinen könne, als man die drei jungen Männer so vor der Kamera possieren erblickte. Löchrige Hosen, zerissene Hemden, schweiß gebadet und jeder hielt ein altes, dreckiges Gewehr. Man sah ihnen an, dass sie die Nacht über nicht geschlafen hatten. Dennoch zeigten sie sich voller Energie und Begeisterung. Da hatten sie ja bisher noch nie nicht auf Menschen geschossen.
Warum sie kämpften, wurden sie vom ausländischen Kammerateam gefragt. Ein Stimmengewirr kam als Antwort. Scheinbar stritten sie für alles mögliche, bis schließlich das Wort "Freiheit" fiel. Dann, auf einmal, waren sie sich alle drei einig: Sie kämpften für die Freiheit. 
Was Freiheit bedeute, fragte daraufhin jemand von den Ausländern. Die jungen Männer antworteten wieder durcheinander: Wohlstand und Sorglosigkeit. Sicherheit, Gesundheit und Glück - eben all das, was die Menschen im Westen hätten.
Was Freheit jedoch wirklich war, sollten sie erst später spüren, in den wenigen Sekunden, in denen sie auf die feindlichen Barrikaden los stürmten, kurz bevor ihnen ein MG das Leben aushauchte. Da war das Kamerateam aber schon längst wieder verschwunden.