27.07.2013

Sommerlochsfiller

Weil es zur Zeit mit dem Schreiben etwas schleppend läuft und mein Blog nicht Wochenlang brach liegen soll, folgt hier nun ein kleiner Sommerlochsfiller:

Für Mary 

Die Verse sind mir leider ausgegangen -
Es ist so heiß.
Ich habe nur ein lästerliches Verlangen
nach Blond und Weiß. 
Beamten, Akten, Schieber, bunte Bauer -
ein dummes Land.
Wie lange soll dieser Spaß noch dauern?
Gib mir die Hand.

So weit, so weit weg mag ich nicht immer bleiben,
was nutzt Papier!
Und nach dem allerletzten Feldpostschreiben 
bin ich bei Dir. -

(Tucholsky)

19.07.2013

Das Funkeln in deinen Augen

Ohne Hoffnung, ohne Glauben
Ist das Funkeln in deinen Augen,
Dass man so selten sieht;

Kein Staunen, kein Bewundern,
Nicht einmal ein leichtes Sich-verwundern,
Das in diesem Funkeln liegt;

Nur die Freude daran zu geben,
Und das Glück endlich zu leben,
Haben in deinem Herz gesiegt.

20.06.2013

Meine drei Ängste als Dichter...

… die man Schreiben stets beeinflussen:

Da wäre als erstes, um Jean Paul zu zitieren, „die Angst, dass meine Tinte eher bleich werde als ich.“ Sie hat sich schon bewahrheitet, weshalb ich nur noch mit Kuli schreibe, auch wenn ich dafür meine Freiheit zum Killern einbüße. Aber Sicherheit geht eben vor.

Da wäre als zweites die Angst, dass das Leben meines Füllers/Kullis eher endet, als der Text, an dem ich gerade schreibe. Mit Stiften gehe ich nämlich so um wie ein dreijähriger mit seinen Bauklötzen: wenig Fingergefühl und sehr brachial. Während Füller geköpft werden, zerbrechen Kugelschreiber in meiner Hand. Vielleicht sollte ich mal einen aus Titan besorgen...

Als drittes und bedeutsamsten wäre dann noch die Angst davor, das Geschriebene vom Vortag zu lesen. Je nach Ausgangslage fällt mir es mir ziemlich schwer, mich mit meinen zu konfrontieren. Denn ich finde vieles, was ich schrieb, albern oder gar unerträglich. Vielleicht weil es wirklich schlecht geschrieben wurde, vielleicht weil ich perfektionistisch denke und vielleicht weil die Worte wie ein Spiegel wirken – aber egal, was letztendlich diese Angst bewirkt, ist sie doch verantwortlich dafür, dass ich die meisten Einträge dieses Blogs nicht mehr anschauen und wohl niemals einen ganzen Roman schreiben werde. Deswegen verharre ich bei Kurzprosa und noch kürzeren Gedichten.

17.06.2013

Über Menschen und Bäume

"Ein Mensch kann sich nicht einfach so aus dem Leben in sich selbst zurückziehen, ohne selbst Schaden zu erleiden. Denn kann ein Baum ohne seine Äste und Blätter, die ihm ja die Wärme der Sonne einfangen, überleben? Oder ohne das Wurzelgeflecht in der Erde, das ihm selbst im schlimmsten Sturm noch Halt bieten kann?"

"Aber bedenke: Je mehr sich jeder einzelne Menschen entfaltet, wie es die Bäume im Wald tun, gibt es schnell keinen Platz für die kleinen, zarten Pflänzchen am Boden. Das sind dann die traurigen Schicksale, die ungehörten Stimmen, die vergessenen Dichter."

23.05.2013

Tote Worte...

Tote Worte
Blau, vertrocknet,
Auf weißem Grund geschrieben.

Leere Phrasen,
Ohne Inhalt
Versuchten sie zu biegen.

Ein Gedanke
Konnte schließlich
Noch festgehalten werden:

Dieser Hass auf
Jene Metrik,
Der niemals wird wohl sterben.

12.04.2013

Spät Nachts

Wenn ich im Bett spät Nachts noch lieg,
    umgeben von kalten Wänden,
Spüre ich, wie du dich an mich schmiegst,
    Sobald ich an dich denke.

Und mir scheint, als fühlt' ich deine Haut
    oder riech' dein blondes Haar,
So sehr wird mir dieser Traum vertraut,
    als wärst du mir ganz nah.

Doch greifen schließlich meine Hände
    nach deiner lieblichen Gestalt
finden sie nichts - - bis auf die Wände,
    und ihrer schweigenden Gewalt.



18.02.2013

Ein Weltbild

auf einem losen Blatt gekritzelt:
In dieser Welt gibt es nichts,
Was nicht existiert:

Wie die Kälte des Lichts,
Das dich von Innen erfriert,
Oder der Heilige Schein,
Für den man sein Leben riskiert, -
Hier siehst du Flüsse aus Wein,
Die aus dem Himmel entspringen,
Dort hörst du tobende Wellen
Wie der Engel Harfen erklingen
Und selbst die Hunde bellen,
Als ob sie die Sonne besingen -

Und du findest all das in jener Welt
Von der die Phantasie dir heimlich erzählt...

10.02.2013

Affekt

Sie hatten M. eine Weltreise versprochen, den Trip seines Lebens: über 50 Länder auf vier Kontinenten sollte er besuchen. In Großstädten sowie in Dörfern übernachten, niemals den Sonnenaufgang und -untergang am selben Ort erleben - so oder so ähnlich hatten sie es ihm versprochen und damit überredet in jenen Flieger zu steigen, der jetzt neben ihm zerschellt auf dem Boden lag.
M. hatte vor ein paar Stunden als einer der wenigen Passagiere einen Flugzeugabsturz überlebt, der sich über dem Pazifikraum ereignete. Die Gründe dafür sollten nie gänzlich aufgeklärt werden. Man wusste nur, dass die Maschine gerade über eine kleine, entlegene Inselkette flog, als sie rapide zu sinken begann. Zur Gleichen Zeit war der Funkkontakt mit dem Cockpit unterbrochen gewesen. Der Aufprall geschah um 10:33 Ortszeit und riss das Flugzeug in zwei Hälften, wo von die fordere sogleich in Brand geriet. Dadurch entzündete sich nach wenigen Minuten der Treibstoff. Es kam zur Explosion, die den größten Teil der zweiten Hälfte des Wracks zerfetzte.
Die Gefühle nach so einer Katastrophe mochte wohl nur derjenige Unglückliche beschreiben, der so etwas im Leben erlebt hatte. Man konnte jedoch annehmen, dass M.s Gefühl sicherlich niemand hätte empfinden können, der sich vor wenigen Stunden mit Schnitt und Quetschwunden aus einem brennenden Flugzeugwrack gerettet hatte. Weder Erleichterung, überlebt zu haben, noch Verzweiflung darüber, scheinbar irgendwo im Pazifik verloren zu sein, erfüllten ihn, sondern nur eines:
Wut. Nein. Hass. Puren Hass. Gegen diejenigen, die ihn auf diesen Flug geschickt hatten. M. war schon damals, noch bevor er der Reise zu gestimmt hatte, von einem seltsamen Gefühl beschlichen worden, dass es sich bei dem Angebot um eine Falle handeln könnte, wobei die Formulierung "Falle" natürlich übertrieben war - vor allem, weil M. keine paranoide Veranlagung besaß -, doch drückte sie eben das Gefühl am besten aus, welches sein Herz alle Zeit umklammert hielt, dass er diese Reise nicht überstehen würde. Doch sie hatten ihn überredet, indem sie ihm den Himmeln auf Erden versprachen und ihn blind für seine Befürchtungen machte. Wie dumm war er gewesen, ihnen zuzuhören! Ihnen sogar zu trauen!
Er hätte in diesem Moment am liebsten seinem früheren Ich in den Hintern getreten und im gleichen Zug denen, die ihm jene Katastrophe angedreht hatten, eine über die Rübe geschlagen. Aber dies war auf einer einsamen Insel außerhalb der Zivilisation schwer möglich. Er musste daher warten, wenigstens für das letztere, bis ein Schiff die Unglücklichen fand und sie zurück in die Heimat reisen konnten. Dort würde M. als erstes, noch ehe er seine Verwandten und Freunde wiedersah, in das Reisebüro gehen und dieses gründlich aufmischen - sofern es überhaupt noch existierte und nicht in die Hölle verschwand, woher es einst so plötzlich in sein Leben getreten war.

01.02.2013

Früher

"Früher war alles besser!" Weil  früher die Butter noch geschmeckt habe. Heute hieße die ja meist Magarite und sei pure Chemie. Dass oftmals Bio auf dem Produkt steht, beweise nichts. Die Produkte früher stammten nämlich allesamt vom Bauern und benötigten nimmer so ein dämliches Edikett. "Bio steht nur drauf, weil's sich so schön anhört." Ansonsten würde die bürgerliche Mittelschicht sie nicht kaufen.
Ach ja: die Mittelschicht. Diese Schicht aus lauter "Weicheiern" bestehe, die "Dinge kaufen, die sie nicht benötigen, geschweigedenn verstehen. Kein Rückgrad haben sie! Wählen grün, fühlen sich links und halten sich für bessere Menschen mit ihren Gerechtigkeitssinn. Sie wissen vieles besser, auch wenn sie's nicht kennen, empören sich über eigene Fehler und fühlen sich überhaupt groß, wenn sie Misstände einfach lauthals kritisieren." Das sei ja früher nicht passiert. Da habe man entweder gekuscht oder hat die Probleme angepackt. "Aber von dieser weichen Gesellschaft kann man das nicht mehr erwarten, die über Menschenrechte redet, weil es sich so toll anhört und Petitionen unterschreibt, um sich besser zu fühlen." Die Unterschrift sei die Almose der bürgerlichen Mitte, die sich nicht zutraut etwas zu verändern, gleichwohl sie Veränderungen verlange, von Leuten, denen man soetwas nicht abverlangen könne, weil sie kein Verantwortungsgefühl besäßen, sondern nur Gelder in der Tasche und noch weiteres innerhalb ihres begrenzten Vorstellungsvermögen.
"Das hätte es früher nicht gegeben!" Das hätte es früher nicht gegeben.