Sie hatten M. eine Weltreise versprochen, den Trip seines Lebens: über 50 Länder auf vier Kontinenten sollte er besuchen. In Großstädten sowie in Dörfern übernachten, niemals den Sonnenaufgang und -untergang am selben Ort erleben - so oder so ähnlich hatten sie es ihm versprochen und damit überredet in jenen Flieger zu steigen, der jetzt neben ihm zerschellt auf dem Boden lag.
M. hatte vor ein paar Stunden als einer der wenigen Passagiere einen Flugzeugabsturz überlebt, der sich über dem Pazifikraum ereignete. Die Gründe dafür sollten nie gänzlich aufgeklärt werden. Man wusste nur, dass die Maschine gerade über eine kleine, entlegene Inselkette flog, als sie rapide zu sinken begann. Zur Gleichen Zeit war der Funkkontakt mit dem Cockpit unterbrochen gewesen. Der Aufprall geschah um 10:33 Ortszeit und riss das Flugzeug in zwei Hälften, wo von die fordere sogleich in Brand geriet. Dadurch entzündete sich nach wenigen Minuten der Treibstoff. Es kam zur Explosion, die den größten Teil der zweiten Hälfte des Wracks zerfetzte.
Die Gefühle nach so einer Katastrophe mochte wohl nur derjenige Unglückliche beschreiben, der so etwas im Leben erlebt hatte. Man konnte jedoch annehmen, dass M.s Gefühl sicherlich niemand hätte empfinden können, der sich vor wenigen Stunden mit Schnitt und Quetschwunden aus einem brennenden Flugzeugwrack gerettet hatte. Weder Erleichterung, überlebt zu haben, noch Verzweiflung darüber, scheinbar irgendwo im Pazifik verloren zu sein, erfüllten ihn, sondern nur eines:
Wut. Nein. Hass. Puren Hass. Gegen diejenigen, die ihn auf diesen Flug geschickt hatten. M. war schon damals, noch bevor er der Reise zu gestimmt hatte, von einem seltsamen Gefühl beschlichen worden, dass es sich bei dem Angebot um eine Falle handeln könnte, wobei die Formulierung "Falle" natürlich übertrieben war - vor allem, weil M. keine paranoide Veranlagung besaß -, doch drückte sie eben das Gefühl am besten aus, welches sein Herz alle Zeit umklammert hielt, dass er diese Reise nicht überstehen würde. Doch sie hatten ihn überredet, indem sie ihm den Himmeln auf Erden versprachen und ihn blind für seine Befürchtungen machte. Wie dumm war er gewesen, ihnen zuzuhören! Ihnen sogar zu trauen!
Er hätte in diesem Moment am liebsten seinem früheren Ich in den Hintern getreten und im gleichen Zug denen, die ihm jene Katastrophe angedreht hatten, eine über die Rübe geschlagen. Aber dies war auf einer einsamen Insel außerhalb der Zivilisation schwer möglich. Er musste daher warten, wenigstens für das letztere, bis ein Schiff die Unglücklichen fand und sie zurück in die Heimat reisen konnten. Dort würde M. als erstes, noch ehe er seine Verwandten und Freunde wiedersah, in das Reisebüro gehen und dieses gründlich aufmischen - sofern es überhaupt noch existierte und nicht in die Hölle verschwand, woher es einst so plötzlich in sein Leben getreten war.